Der Sommer 2026 wird laut aktuellen Prognosen einer der reisestärksten überhaupt – zumindest für einkommensstarke Haushalte. Hohe Benzinpreise von durchschnittlich über 4,50 US-Dollar pro Gallone und steigende Gesamtkosten bremsen viele Amerikaninnen und Amerikaner aus. Das Ergebnis: ein deutlich gespaltener Markt, der die gesamte Branche unter Druck setzt.
Memorial Day 2026 soll der meistbereiste in der US-Geschichte werden. AAA prognostiziert 39,1 Millionen Reisende mit dem Auto – ein Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dazu kommen 3,66 Millionen Flugreisende. Insgesamt erwartet der Automobilclub rund 200.000 Menschen mehr als 2025 auf den Straßen, Schienen und in der Luft zwischen dem 21. und 25. Mai.
Auf den ersten Blick klingt das nach Boom. Der zweite Blick zeigt ein anderes Bild.
Sprit kostet mehr – und verändert das Buchungsverhalten
Ein Anstieg der Benzinpreise um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr trifft US-Haushalte direkt im Budget. Über 4,50 Dollar pro Gallone – das ist eine Belastung, die sich auf Reiseentscheidungen auswirkt, auch wenn die Gesamtzahlen noch stark wirken.
Laut dem Bank of America Summer Travel Outlook 2026 sagen zwar rund 30 Prozent der Befragten, dass höhere Benzinpreise ihre Reisepläne nicht verändern. Aber ein relevanter Anteil plant weniger Trips oder kürzt bei Ausgaben vor Ort. Wer fährt, fährt kürzer. Wer fliegt, fliegt günstiger.
- 39,1 Mio. Autofahrende zu Memorial Day (AAA-Prognose) — +0,4 % gegenüber 2025
- 3,66 Mio. Flugreisende allein im Memorial-Day-Zeitraum
- +40 % Benzinpreisanstieg gegenüber Vorjahr, aktuell über 4,50 $/Gallone
- 30 % der Befragten (Bank of America): Spritpreise ändern ihre Pläne nicht
- Mehrheit der Nicht-Reisenden: Kosten als Haupthindernis (Bankrate-Survey)
Wer reist – und wer nicht
Travel spending splittet gerade deutlich entlang von Einkommensgrenzen. Bank of America beobachtet bei Haushalten mit hohem Einkommen weiterhin stabile bis steigende Reiseausgaben. Flugreisen, Hotels, Erlebnisse – diese Gruppe bucht. Für einkommensschwächere Haushalte sieht es anders aus: Viele können sich eine Reise schlicht nicht leisten, andere sparen oder bauen Schulden ab, bevor sie Geld für einen Trip ausgeben.
Ein Bankrate-Survey aus dem Vorjahr hatte bereits gezeigt, dass weniger als die Hälfte aller US-Erwachsenen Sommerreisen plant – mit Erschwinglichkeit als größtem Hindernis. 2026 hat sich daran strukturell wenig geändert, die Energiekosten haben das Problem eher verschärft.
Starker Sommer oder schwieriger Sommer?
Argumente für einen starken Sommer
- AAA-Prognose: Rekord bei Memorial-Day-Reisezahlen
- Hocheinkommenshaushalte buchen robust
- Reisesuchplattformen melden weiterhin starkes Interesse
- Aufgestaute Reisenachfrage nach pandemiebedingten Einschränkungen hält an
Argumente für einen schwierigen Sommer
- Benzinpreise über 4,50 $/Gallone – realer Kaufkraftverlust
- Geringverdiener streichen Reisepläne oder kürzen Budget
- Trend zu kürzeren Trips und Nah-Zielen
- Viele Haushalte in Spar- oder Schulden-Abbauphasen
Näher dran und billiger: Inlandsreisen gewinnen
Wer trotz hoher Kosten reist, wählt häufiger Inlandsziele. Road Trips, küstennahe Destinationen, Nationalparks – alles, was ohne teure Flüge erreichbar ist, profitiert vom aktuellen Kostendruck. Für Hoteliers und Gastronomiebetriebe in US-Inlandsdestinationen kann das kurzfristig positiv sein. Die Buchungen kommen, aber von einem anderen Gästesegment als gewohnt – preissensibel, mit kürzeren Aufenthaltsdauern.
Gleichzeitig wächst am oberen Ende der Einkommensskala der Appetit auf Luxuserlebnisse. Hochpreisige Resorts, Experiential Travel, privat gebuchte Touren – dieses Segment wächst, weil der Kostendruck dort kaum ankommt. Zwei Märkte, die in verschiedene Richtungen ziehen.
Was das für die Branche bedeutet
Für Hotels, Airlines und Reiseveranstalter bedeutet der Sommer 2026 vor allem eines: Umsatzplanung wird schwieriger. Die Gesamtnachfrage sieht auf Aggregat-Ebene stark aus – aber die Marge entsteht nur im oberen Segment. Wer in der Mitte positioniert ist, spürt den Druck beider Seiten: nicht günstig genug für preissensible Reisende, nicht exklusiv genug für den Luxus-Kunden.
Reisesuchplattformen melden zwar robustes Interesse – aber Interesse ist keine Buchung. Die entscheidende Kennzahl für den Sommer wird nicht sein, wie viele Menschen reisen wollen. Sondern wie viele es sich am Ende leisten können.

