Die Bundesregierung plant, die Tierhaltungskennzeichnung auch auf Restaurants, Caterer und die Gemeinschaftsverpflegung auszuweiten. Die Branche warnt vor mehr Aufwand, neuen Pflichten und höheren Kosten im Alltag.
Der Start des Systems ist für 2027 vorgesehen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft treibt das Vorhaben voran, während Verbände wie DEHOGA und BdS deutliche Kritik anmelden.
Was die Regierung plant
Die staatliche Kennzeichnung gilt bisher für frisches Schweinefleisch im Handel. Jetzt soll sie offenbar auch dort auftauchen, wo am meisten Portionen über die Theke gehen: in Restaurants, Kantinen, Caterings und anderen Formen der Außer-Haus-Verpflegung.
Das Problem liegt nicht nur im Gesetzestext. In der Praxis müssen Betriebe Zutaten, Lieferketten und Karten so aufdröseln, dass Gäste die Haltungsform erkennen. Genau da sehen viele Betriebe den Haken. Speisekarten werden voller. Die Abläufe im Einkauf auch.
- Der geplante Start liegt bei 2027.
- Betroffen wären Restaurants, Caterer und Gemeinschaftsverpflegung.
- Die Branche kritisiert vor allem Kosten, Dokumentation und Umstellungsaufwand.
Warum die Branche nervös reagiert
Verbände wie DEHOGA und BdS sagen klar: Die Pflicht erzeugt nicht automatisch mehr Transparenz, aber sehr wohl mehr Papierkram. Für kleine und mittlere Betriebe kann schon die Pflege einer Karte mit wechselnden Lieferungen aufwendig werden. Das gilt besonders dann, wenn Gerichte, Rohwaren und Einkaufsquellen häufig wechseln.
Hinzu kommt ein zweiter Punkt: In der Gastronomie wird nicht nur ein Produkt verkauft, sondern ein Gericht. Wer ein Schnitzel, Burger oder eine Bowl anbietet, muss die Herkunft der Tierprodukte sauber nachweisen und darstellen. Das ist in Küchen mit wenig Personal kein Randthema, sondern zusätzlicher Stress im Tagesgeschäft.
Pflichtkennzeichnung in der Gastro — was spricht dafür?
Dafür spricht
- Gäste sehen schneller, welche Haltungsform hinter dem Fleisch steckt.
- Ein einheitliches System schafft Vergleichbarkeit.
- Mehr Transparenz kann den Einkauf stärker in Richtung bessere Haltungsformen drücken.
Dagegen spricht
- Mehr Dokumentation kostet Zeit und Geld.
- Speisekarten werden unübersichtlicher.
- Wechselnde Lieferungen machen die Pflege im Alltag kompliziert.
Wer sich schon jetzt damit beschäftigen muss
Restaurants und Systemgastronomie
Gerade Betriebe mit vielen Standorten brauchen klare Prozesse. Wenn ein Gericht in zehn Häusern läuft, aber mit unterschiedlichen Lieferanten, braucht es saubere Freigaben und aktuelle Daten im System.
Gemeinschaftsverpflegung und Caterer
In Kantinen, Schulen oder bei Events wechseln Mengen, Produkte und Bezugsquellen oft kurzfristig. Genau dort wird die Kennzeichnung schnell zur Zusatzaufgabe für Einkauf, Küche und Verwaltung.
Lieferanten und Großhandel
Auch die vorgelagerte Kette steht unter Druck. Wer Fleisch oder Fleischkomponenten liefert, muss Daten so aufbereiten, dass Betriebe sie ohne Zusatzaufwand nutzen können. Sonst landet die Arbeit am Ende doch wieder in der Küche.
Was jetzt entscheidend ist
Die Debatte zeigt vor allem eins: Die Politik muss die Kennzeichnung so bauen, dass sie im Alltag funktioniert. Wenn Restaurants dafür neue Doku-Schleifen aufbauen müssen, verpufft der Nutzen schnell.
Spannend wird deshalb, wie die konkrete Ausgestaltung aussieht: Welche Produkte fallen rein? Wie viel Spielraum gibt es bei wechselnden Lieferanten? Und welche Übergangsfristen bekommen die Betriebe? Ohne klare Antworten bleibt aus Branchensicht vor allem ein Wort hängen: Mehrarbeit.
- Welche Fleischprodukte und Gerichte regelmäßig auf der Karte stehen
- Wo Lieferantendaten heute schon digital vorliegen
- Welche Speisekarten- und Kassensysteme Anpassungen brauchen
- Wie oft sich Zutaten oder Bezugsquellen im Monat ändern


