Die US-Regierung verschärft den Druck auf Kubas Militärkonzern Gaesa. Laut dpa und dem Originalbericht von toPHOTEL ziehen sich internationale Hotelgruppen wie Iberostar, Royalton und Archipelago International teilweise aus Kuba zurück.
Besonders sichtbar ist der Schritt bei Iberostar: Das Unternehmen gibt die Verwaltung von zwölf Hotels auf, die zur Gaesa-Tochter Gaviota gehören. Kuba steckt zugleich in einer tiefen Tourismuskrise, mit Wirtschaftskrise, Stromausfällen und Treibstoffmangel.
Was Washington mit den Sanktionen erreichen will
Die US-Regierung setzte Anfang Mai neue Sanktionen gegen Gaesa in Kraft. Laut dem Bericht will Washington damit der Militärführung und den Eliten den Zugriff auf Vermögenswerte erschweren. Ab dem 5. Juni drohen auch ausländischen Banken und Unternehmen Sanktionen, wenn sie weiter mit dem Konzern arbeiten.
Gaesa steht mitten im kubanischen Wirtschaftssystem. Schätzungen zufolge kontrolliert der Konzern mindestens 40 Prozent der Wirtschaft des Landes. Das macht die Sanktionen für Hotels, Banken und Lieferketten sofort relevant.
40 Prozent: So hoch schätzt man Gaesas Anteil an der kubanischen Wirtschaft.
12 Hotels: Iberostar gibt deren Verwaltung ab.
5. Juni: Ab diesem Datum drohen laut Bericht Folgen für Firmen mit Gaesa-Geschäft.
Warum die Hotellerie jetzt ausweicht
Die Hotelgruppen reagieren nicht nur auf die Sanktionen. Kuba hat seit der Corona-Pandemie keine stabile Erholung im Tourismus geschafft. Dazu kommen Stromausfälle und die Wirtschaftskrise. Beides drückt auf Buchungen und Betrieb.
Noch ein Problem: die Energieversorgung. Die jüngsten US-Sanktionen gegen Öllieferungen nach Kuba haben den Treibstoffmangel verschärft. Mehrere Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen zur Insel bereits eingestellt. Für Hotels heißt das: weniger Gäste, weniger Planungssicherheit, mehr Druck auf die Auslastung.
- weniger internationale Partner
- unsichere Energieversorgung
- schwächere Fluganbindung
- hoher politischer Druck
Welche Ketten konkret betroffen sind
Laut Medienberichten haben sich drei Namen besonders bewegt: Iberostar aus Spanien, Royalton aus Kanada, früher Blue Diamond, und Archipelago International aus Indonesien. Alle drei sollen teilweise aus Kuba aussteigen oder ihre Präsenz zurückfahren.
Iberostar als wichtigster Fall
Iberostar bestätigte, die Verwaltung von zwölf Häusern aufzugeben. Die Hotels gehören zur Hoteltochter Gaviota von Gaesa. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben insgesamt 18 Hotels auf Kuba und war dort die zweitgrößte Kette. Der Rückzug trifft also nicht irgendein Nebenprojekt, sondern einen spürbaren Teil des Marktes.
Was Havanna daraus macht
Die kubanische Regierung reagiert scharf. Sie nennt die US-Maßnahmen die bisher „größte, übermäßigste und gefährlichste Eskalation“ im Verhältnis zu Washington. Das Ziel aus Sicht Havannas: wirtschaftliche, finanzielle, diplomatische und energetische Isolation.
Gleichzeitig verteidigt die Regierung Gaesa. Der Konzern habe seit den 1990er-Jahren mit Investitionen in Infrastruktur und Sozialprojekte geholfen. Ob diese Erzählung bei internationalen Hotelgruppen noch zieht, ist eine andere Frage. Spoiler: eher nicht.
Was du aus dem Fall mitnehmen kannst
Für die Branche zeigt Kuba gerade sehr deutlich, wie schnell politische Risiken ein Geschäftsmodell drehen können. Wer in Märkten mit Sanktionen arbeitet, braucht saubere Strukturen, klare Vertragswege und einen Plan B für Zahlungen, Lieferungen und Betreiberrollen.
- Prüfe politische Risiken früh, nicht erst bei Vertragsverlängerung.
- Halte Zahlungswege und Eigentümerstrukturen transparent.
- Plane Betreiberwechsel und Exit-Szenarien schriftlich mit.
Im Tourismus zählt nicht nur die Lage am Strand. Manchmal entscheidet auch die Lage zwischen Washington und Havanna.

