Die USA haben erstmals einen Botschafter auf Präsidentenebene, der für Tourismus zuständig ist. Nick Adams – konservativer Kommentator und Trump-Vertrauter – soll das Land bis 2030 auf 100 Millionen internationale Besucher pro Jahr bringen. Im Skift-Podcast gibt er eines seiner ersten ausführlichen Interviews in der neuen Rolle.
Amerika hatte nie einen Tourismusminister. Das ist jetzt anders. Im März 2026 schuf Präsident Trump die Stelle des „Special Presidential Envoy for American Tourism, Exceptionalism, and Values“ – und besetzte sie mit Nick Adams. Der in Australien geborene, konservative Publizist und Selbstbezeichner „Alpha Male“ ist damit das lauteste Sprachrohr, das der US-Tourismus je hatte.
Beim World Travel and Tourism Council-Gipfel in Ägypten traf Skift-Moderator Gordon Smith Adams zu einem der ersten langen Gespräche in der Rolle. Was dabei rauskommt: ein ambitionierter Plan, eine klare Marschrichtung – und jede Menge offene Fragen.
100 Millionen Gäste bis 2030: Wie realistisch ist das?
Adams nennt das Ziel ohne Umschweife: 100 Millionen internationale Besucher pro Jahr bis 2030. Zum Vergleich: 2019 – das bisher stärkste Jahr im US-Incoming – kamen rund 79 Millionen internationale Reisende ins Land. Das Ziel liegt also etwa 27 Prozent über dem bisherigen Rekord.
Adams' Argument ist das Angebot: „Du kannst in den USA alles und jedes machen. Wir haben Strände und Skipisten und Jazzclubs und Raketenstarts. Die 50 Bundesstaaten sind wie 50 verschiedene Länder.“ Das klingt nach Verkaufsbroschüre – ist aber im Kern nicht falsch. Kein anderes Land bietet diese geografische und kulturelle Bandbreite auf einer einzigen Destination.
- Titel: Special Presidential Envoy for American Tourism, Exceptionalism, and Values
- Besetzt: Nick Adams, konservativer Autor und Kommentator
- Ernannt: März 2026 durch Präsident Trump
- Erstmalig: Die USA hatten zuvor kein vergleichbares Amt auf Präsidentenebene
- Ziel: 100 Millionen internationale Besucher pro Jahr bis 2030
- Erste große Aufgabe: FIFA World Cup 2026 (USA, Kanada, Mexiko)
World Cup 2026: Druck und Chance zugleich
Das unmittelbar dringlichste Thema ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die gemeinsam mit Kanada und Mexiko ausgetragen wird. Millionen Fans aus aller Welt kommen – oder wollen kommen. Adams spricht im Podcast offen über Sorgen rund um Transit-Preise und Visa-Wartezeiten. Beide Themen sind keine Kleinigkeiten.
Visa-Wartezeiten für US-Touristenvisa lagen in Spitzenphasen zuletzt bei mehreren Monaten – je nach Herkunftsland. Wer im Sommer 2026 zum World Cup anreisen will und im Frühjahr noch keinen Termin hat, könnte schlicht leer ausgehen. Das ist ein strukturelles Problem, das Adams als Envoy nicht per Dekret lösen kann.
Visawartezeiten und Transitkosten sind die konkretesten Hürden vor dem WM-Ansturm 2026.„Fake Narratives“ – und was Adams damit meint
Adams verwendet den Begriff „fake narratives“ für Darstellungen, die seiner Ansicht nach ein verzerrtes Bild der USA im Ausland zeichnen – und potenzielle Besucher abschrecken. Welche Narrative das konkret sind, lässt er im Podcast offen.
Der Kontext ist relevant: Seit Beginn der zweiten Trump-Amtszeit verzeichnen mehrere Destinationsanalysen einen Rückgang bei Buchungen aus Europa und Kanada. Branchenportal Skift und andere Medien berichten von einem sogenannten „Boycott America“-Sentiment in Teilen der westlichen Welt – ausgelöst durch politische Entscheidungen der Regierung. Ob Adams' Kommunikationsstrategie das umkehren kann, ist die zentrale Frage.
American Exceptionalism als Markenversprechen
Adams beschreibt „American exceptionalism“ nicht nur als politische Haltung, sondern als Kernelement des touristischen Markenversprechens. Die Idee: Wer in die USA kommt, erlebt nicht nur ein Land, sondern ein Konzept – Freiheit, Größe, Möglichkeit. Das ist großes Marketing-Kino.
Ob das international verfängt, hängt stark vom Publikum ab. In manchen Märkten – etwa Golf-Region, Teile Asiens, Lateinamerika – dürfte das gut ankommen. In Europa und Kanada, wo Skepsis gegenüber der aktuellen US-Regierung verbreitet ist, wird das schwerer zu verkaufen sein.
Was die Branche jetzt beobachten sollte
Die Ernennung eines Tourismus-Envoys auf Präsidenten-Ebene ist strukturell bedeutsam – unabhängig davon, wie man Nick Adams bewertet. Dass Incoming-Tourismus erstmals Chefsache wird, kann mittelfristig Budget, Koordination und politischen Rückhalt bringen, den Organisationen wie Brand USA bisher nicht hatten.
Das Podcast-Gespräch mit Skift ist einer der ersten öffentlichen Belastungstests für Adams in der Rolle. Wer die Substanz hinter dem Selling-Point verstehen will, findet dort die bisher ausführlichste Einschätzung aus erster Hand.

