Die Fußball-WM 2026 startet am 11. Juni – und die meisten Spiele laufen in Deutschland mitten in der Nacht. Das Bundeskabinett hat deshalb Ausnahmen vom Lärmschutzrecht beschlossen, damit Public Viewing trotzdem stattfinden kann. Für die Gastronomie ist das eine echte Chance.
Wer bei der WM 2026 live dabei sein will, braucht einen guten Grund, nachts wach zu bleiben. Die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko bringt Anstoßzeiten, die für deutsche Verhältnisse alles andere als familienfreundlich sind: Viele Partien laufen erst nach Mitternacht oder sogar in den frühen Morgenstunden. Für Kneipen, Biergärten und Gastronomiebetriebe klingt das zunächst nach einem Problem – ist es aber nur halb.
Bundeskabinett macht den Weg frei
Die Bundesregierung hat reagiert. Das Bundeskabinett beschloss in Berlin Sonderregelungen, die Ausnahmen vom Lärmschutzrecht für die Dauer des Turniers ermöglichen. Konkret heißt das: Public-Viewing-Veranstaltungen dürfen auch zu nächtlicher Stunde stattfinden, ohne dass Betreiber sofort mit Beschwerden und Bußgeldern rechnen müssen.
Das ist kein Novum – ähnliche Regelungen gab es bereits bei früheren Turnieren, wenn die Spielzeiten mit den deutschen Nachtruhezeiten kollidierten. Neu ist diesmal das Ausmaß: Kaum ein Spiel findet zu einer Uhrzeit statt, bei der eine normale Gastronomieschicht noch läuft.
- Public Viewing auch nach 22 Uhr – also außerhalb der regulären Nachtruhe
- Gilt für Außenbereiche von Gaststätten, Biergärten und öffentliche Plätze
- Zeitlich begrenzt auf die WM-Dauer (ab 11. Juni 2026)
- Genehmigungen bleiben Ländersache – lokale Behörden setzen den Rahmen
Was Gastronomen jetzt planen sollten
Die Sonderregelung schafft eine Grundlage – aber keinen Freifahrtschein. Wer Public Viewing anbieten will, muss sich frühzeitig mit der zuständigen Behörde abstimmen. Genehmigungen laufen über die Kommunen, und die Bedingungen variieren je nach Bundesland und Standort.
Drei Punkte, die du als Betreiber im Blick haben solltest
- Genehmigung beantragen: Frühzeitig bei der Ordnungsbehörde anfragen – nicht warten, bis zwei Wochen vor Turnierstart der Andrang beginnt.
- Schallschutz prüfen: Auch mit Ausnahmeregelung gilt: Unnötige Lautstärke nach außen vermeiden. Ausrichtung von Lautsprechern, Abdeckungen oder geschlossene Außenbereiche können helfen.
- Personalplanung anpassen: Nachtschichten bis 3 oder 4 Uhr früh brauchen andere Besetzungen als ein normaler Feierabend-Betrieb. Frühzeitig kommunizieren, wer Lust auf diese Schichten hat.
Biergarten oder Wohnzimmer – die Konkurrenz ist das Sofa
Das eigentliche Problem für die Gastronomie ist nicht der Lärmschutz, sondern der Schlafrhythmus. Wer am nächsten Tag arbeitet, überlegt sich zweimal, ob er für ein Mitternachtsspiel noch in die Kneipe geht. Das Wohnzimmer mit dem eigenen Fernseher ist in diesem Kontext echter Konkurrent.
Was Gastronomen dagegen setzen können: Atmosphäre, die zuhause nicht zu haben ist. Gemeinsames Erleben, die große Leinwand, Getränke ohne Aufstehen – das funktioniert, wenn der Ort stimmt. Wer das mit einem klaren Konzept verbindet, hat auch bei Spätnachtspielen eine Chance auf volle Tische.
Chancen für die Gastronomie trotz schwieriger Uhrzeiten
Ja, viele Spiele laufen nachts. Aber das Turnier dauert Wochen, und nicht jedes Spiel ist gleichzeitig attraktiv. Die Gruppenphase bringt regelmäßig Partien, Achtelfinals, Viertel- und Halbfinals folgen. Für Gastronomen heißt das: selektiv planen. Nicht jede Nacht muss ein Event sein. Wenige, dafür gut vorbereitete Public-Viewing-Abende können sich mehr rechnen als tägliche Übertragungen mit halbvollem Haus.
Wer zusätzlich auf Frühstück nach dem Spiel setzt – Stichwort: After-Match-Brunch – kann eine Nische besetzen, die bei den letzten Nacht-Turnieren kaum einer konsequent bespielt hat.

