Accor und Uber haben eine strategische Multi-Markt-Partnerschaft angekündigt. ALL Accor-Mitglieder können künftig durch Uber-Fahrten und Uber-Eats-Bestellungen Hotelpunkte sammeln – und umgekehrt. Der Start ist für die zweite Jahreshälfte 2025 geplant, zunächst in sieben Märkten.
Wer als Hotelier über Gästebindung nachdenkt, musste bisher auf den Moment des Check-ins warten. Accor und Uber wollen das ändern: Die beiden Konzerne verknüpfen ihre Loyalitätsprogramme ALL Accor und Uber zu einer gemeinsamen Treueplattform – vom Flughafentaxi bis zur Essenslieferung.
Was die Partnerschaft konkret bringt
Kern der Vereinbarung: Mitglieder beider Plattformen können ihre Konten verknüpfen und gegenseitig von Status-Vorteilen profitieren. Wer mit Uber fährt oder per Uber Eats bestellt, sammelt ALL Accor-Punkte – und Accor-Stammgäste erhalten Vorteile im Uber-Ökosystem.
- Uber Rides + Uber Eats: Frankreich, Deutschland, Polen
- Nur Uber Rides: Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien, Katar, Marokko
- Start: zweite Jahreshälfte 2025
Sieben Märkte zum Start, alle unterschiedlich bespielt: In Europa läuft beides – Fahrten und Lieferservice. Im Nahen Osten und Nordafrika beginnt die Kooperation vorerst nur mit dem Fahrdienst. Das deutet darauf hin, dass Uber Eats in diesen Regionen entweder nicht flächendeckend verfügbar ist oder die Partnerschaft dort schrittweise ausgerollt wird.
Warum das strategisch Sinn ergibt
Hotelbuchungen sind selten tägliche Ereignisse. Uber-Fahrten schon. Wer sein Loyalty-Programm nur mit Übernachtungen befüllt, verliert Mitglieder zwischen den Reisen aus dem Blick. Accor löst dieses Problem mit einem klassischen Schachzug: das Programm in den Alltag einbetten.
Gästebindung zwischen den Reisen ist seit Jahren eines der größten strukturellen Probleme großer Hotelketten – und genau hier setzt diese Partnerschaft an.- Punkte-Sammeln auch ohne Hotelaufenthalt → mehr Engagement, mehr App-Öffnungen
- Statusvorteile für Vielfahrer → Anreiz, auch bei der Hotelbuchung zu Accor zu wechseln
- Cross-Sell über Mobilität und Food Delivery → drei Touchpoints statt einem
- Nebensaison-Relevanz: Mitglieder bleiben aktiv, auch wenn sie nicht verreisen
Das steckt hinter dem Modell
Loyalty-Kooperationen dieser Art sind kein neues Konzept – Airlines machen es seit Jahrzehnten mit Kreditkartenunternehmen und Mietwagenfirmen. In der Hotellerie war das Feld bisher dünn besetzt. Marriott Bonvoy arbeitet mit Uber in einigen Märkten zusammen, IHG One Rewards hat ähnliche Partnerschaften mit Lieferdiensten getestet. Accor geht jetzt einen ähnlichen Weg, aber breiter aufgestellt: sieben Länder gleichzeitig, zwei Uber-Dienste parallel.
Für Accor-Properties in Deutschland bedeutet das konkret: Gäste, die über Uber in die Stadt kommen, können bereits Punkte für ihren nächsten Aufenthalt gesammelt haben – bevor sie überhaupt eingecheckt haben.
Was Hoteliers jetzt wissen sollten
Die operativen Details der Kontoverbindung – wie genau Punkte umgerechnet werden, welcher Multiplikator gilt, ob es Bonusaktionen gibt – hat Accor noch nicht vollständig veröffentlicht. Der Launch ist für die zweite Jahreshälfte 2025 angekündigt. Bis dahin lohnt es sich, folgende Punkte im Blick zu behalten:
- Kommunikation an Stammgäste vorbereiten: Kontenverknüpfung aktiv bewerben
- Front-Desk-Team briefen: Was ist die Partnerschaft, was bringt sie dem Gast?
- Buchungskanäle prüfen: Werden Uber-verknüpfte Mitglieder anders getaggt im PMS?
- Marketingpotenzial nutzen: Pre-Arrival-Kommunikation mit Uber-Transfer-Option
Für unabhängige Hotels außerhalb des Accor-Systems ist die Partnerschaft ein Signal: Loyalty funktioniert 2025 nur noch, wenn es über den eigenen Zaun hinausreicht. Wer keine Konzernstruktur im Rücken hat, muss sich das Ökosystem anders bauen – etwa über regionale Kooperationen mit Mobilitätsanbietern oder Restaurantplattformen.

