Patrick Pacious verlässt Choice Hotels International überraschend als President und CEO. Sein Nachfolger auf Zeit: Dominic Dragisich, bislang Chief Growth & Strategy Officer – und damit einer der Architekten der größten Wachstumsstrategie der Kette in den vergangenen Jahren. Die CEO-Suche läuft, intern wie extern.
Choice Hotels International hat am 20. Mai 2026 einen Führungswechsel bekanntgegeben: Patrick Pacious tritt als President und CEO zurück. Bis Ende August 2026 bleibt er dem Unternehmen als Berater erhalten – danach ist Schluss. Der Verwaltungsrat hat Dominic Dragisich, zuletzt Chief Growth & Strategy Officer, mit sofortiger Wirkung zum Interim-CEO ernannt.
Wer ist Dominic Dragisich?
Dragisich kennt Choice Hotels von innen wie kaum jemand sonst. Er kam 2017 als CFO zur Kette – zu einem Zeitpunkt, als Choice noch klar im Budget- und Midscale-Segment verankert war. Seitdem hat er die Finanzseite verantwortet und später die Wachstumsstrategie übernommen.
Zwei Deals prägen seine Amtszeit besonders:
- Radisson Hotel Group: Dragisich war laut Unternehmensangaben maßgeblich an der Übernahme für 675 Millionen US-Dollar beteiligt – er verantwortete die Finanzstruktur und begleitete die Integration. Die lief 16 Monate – und endete früher als geplant. Ergebnis: über 80 Millionen US-Dollar an realisierten Synergien.
- Wyndham-Übernahmeversuch: Auch beim gescheiterten Versuch, Wyndham Hotels & Resorts zu übernehmen, spielte Dragisich eine zentrale Rolle. Das Vorhaben scheiterte letztlich – hat Choice aber strategisch neu positioniert.
Durch die Radisson-Akquisition ist Choice heute mehr als eine Budget-Kette: Das Portfolio reicht vom Economy-Segment bis in den Upper-Upscale-Bereich.
- Hauptsitz: Rockville, Maryland, USA
- CEO bis 20. Mai 2026: Patrick Pacious
- Interim-CEO ab 20. Mai 2026: Dominic Dragisich
- Dragisich als CFO eingestiegen: 2017
- Radisson-Übernahme: 675 Mio. USD, Integration in 16 Monaten abgeschlossen
- Realisierte Synergien Radisson: über 80 Mio. USD
- CEO-Suche: intern und extern, läuft
Strategie bleibt vorerst unverändert
Dragisich hat signalisiert, dass er den eingeschlagenen Kurs hält. Die Prioritäten: Nettowachstum bei Zimmern in den USA, bessere Wirtschaftlichkeit für Franchisenehmer, mehr Conversions statt Neubauten sowie internationale Expansion. Das klingt nach Kontinuität – was in einer Übergangsphase strategisch Sinn ergibt, aber auch Fragen aufwirft, ob ein Interim-CEO überhaupt den Spielraum hat, Neues anzustoßen.
Was jetzt kommt
Der Verwaltungsrat sucht aktiv nach einem permanenten Nachfolger – sowohl intern als auch am externen Markt. Das ist Standard-Vorgehen bei unerwarteten CEO-Abgängen. Pacious steht bis Ende August als Berater zur Verfügung, was den Übergang stabilisieren soll.
Für die rund 9.000 Choice-Hotels weltweit und deren Franchisenehmer ändert sich kurzfristig wenig. Dragisich hat in seiner Kommunikation klar gemacht, woran er sich messen lassen will:
„We remain focused on delivering long-term value for our franchisees and shareholders and creating great experiences for our guests and associates.“
– Dominic Dragisich, Interim-CEO Choice Hotels International
Einordnung: Insider an der Spitze – Chance oder Überbrückung?
Interim-CEOs aus dem eigenen Unternehmen sind in der Hotelbranche keine Seltenheit. Der Vorteil: keine Einarbeitungszeit, keine Überraschungen beim Markenverständnis. Der Nachteil: Der Druck, keinen Kurswechsel zu riskieren, ist hoch – selbst wenn er nötig wäre.
Bei Choice Hotels kommt hinzu, dass Dragisich nicht nur Zahlen kennt, sondern die Deals mitgebaut hat, die das Unternehmen transformiert haben. Das gibt ihm Autorität – und gleichzeitig wenig Anreiz, die eigene Arbeit grundsätzlich infrage zu stellen. Die entscheidende Frage stellt sich erst, wenn der permanente CEO benannt wird: Wird Choice seinen Wachstumskurs schärfen, korrigieren oder neu ausrichten?


