Hotels sind laut Mews-CEO Matt Welle und führenden Cybersecurity-Experten ein chronisch unterinvestiertes, aber hochattraktives Ziel für Cyberkriminelle. Gästedaten, Kreditkartennummern und Reisepläne liegen oft schlecht gesichert in alten PMS-Systemen. Passkeys, Single Sign-On und ein funktionierender Business-Continuity-Plan gehören heute zum Mindeststandard.
Warum Hotels ein bevorzugtes Angriffsziel sind
Ein mittelgroßes Hotel verarbeitet täglich Hunderte Kreditkartentransaktionen, speichert Ausweiskopien, Reisepläne und persönliche Vorlieben von Gästen – und das alles oft in Systemen, die seit zehn Jahren kein Sicherheits-Update gesehen haben. Genau das macht die Branche so attraktiv für Cyberkriminelle.
Matt Welle, CEO von Mews, bringt es direkt auf den Punkt: Hospitality ist ein hochattraktives Ziel mit vergleichsweise niedrigen Sicherheitsstandards. Die Kombination aus wertvollen Daten und zu geringen Investitionen in IT-Sicherheit ist ein strukturelles Problem der Branche – kein Einzelfall.
- Zahlungsdaten: Kreditkarten und Zahlungshistorien lassen sich direkt monetarisieren
- Ausweiskopien: Pässe und Personalausweise ermöglichen Identitätsdiebstahl
- Reisepläne: Wer wann wo ist – für gezielte physische oder digitale Angriffe nutzbar
- Loyalitätspunkte: Hotel-Bonuspunkte werden auf Schwarzmärkten gehandelt
- Unternehmensreisende: Firmen-Kreditkarten und Aufenthaltsdaten sind für Wirtschaftsspionage interessant
Die drei größten Schwachstellen im Hotelbetrieb
Alte Systeme ohne Patches
Viele Hotels laufen noch auf On-Premise-PMS-Systemen, die seit Jahren keine Sicherheits-Updates erhalten. Wer ein veraltetes System betreibt, öffnet Angreifern buchstäblich die Tür. Cloud-basierte Systeme wie Mews, Apaleo oder Oracle Opera Cloud haben hier strukturelle Vorteile: Patches werden zentral eingespielt, ohne dass ein lokaler IT-Dienstleister anrücken muss.
Schwache Passwort-Hygiene
Shared Logins für das PMS sind in der Hotellerie immer noch weit verbreitet – ein einzelnes kompromittiertes Passwort kann dann den Zugang zum gesamten System bedeuten. Single Sign-On (SSO) löst dieses Problem: Mitarbeitende authentifizieren sich einmalig sicher, alle Systeme hängen daran. Wer das Unternehmen verlässt, verliert mit einem Klick alle Zugänge.
Phishing gegen Front-Desk-Personal
Hoteliers bekommen täglich Dutzende E-Mails von Buchungsplattformen, Reisebüros und Gästen. Phishing-Mails sind in diesem Kontext besonders schwer zu erkennen. Ein einziger Klick auf einen manipulierten Link reicht aus, um Ransomware einzuschleusen – mit fatalen Folgen für den laufenden Betrieb.
Passkeys: Der Standard, auf den die Branche umsteigen sollte
Klassische Passwörter gelten unter Sicherheitsexperten längst als überholt. Passkeys ersetzen das Passwort durch kryptografische Schlüssel – der private Schlüssel verlässt das Gerät nie, Phishing läuft ins Leere. Große Technologieunternehmen wie Apple, Google und Microsoft unterstützen den Standard bereits flächendeckend.
Für Hotels bedeutet das konkret: Mitarbeitende melden sich per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung an, ohne ein Passwort eingeben oder merken zu müssen. Das reduziert die Angriffsfläche erheblich – und senkt gleichzeitig den Support-Aufwand für vergessene Passwörter.
Business Continuity: Was passiert, wenn nichts mehr geht?
Ein Ransomware-Angriff legt nicht nur das PMS lahm – Check-in, Schlüsselkarten, Restaurantkassen, Housekeeping-Kommunikation: alles kann gleichzeitig ausfallen. Genau für diesen Fall braucht jedes Hotel einen Business-Continuity-Plan.
- Offline-Prozesse für Check-in und Check-out definieren und dokumentieren
- Notfallkontakte für PMS-Anbieter, IT-Dienstleister und Versicherung hinterlegen
- Regelmäßige Backups – und testen, ob die Wiederherstellung tatsächlich funktioniert
- Mitarbeitende in Phishing-Erkennung schulen (mind. 1× pro Jahr)
- Klaren Eskalationspfad bei Sicherheitsvorfällen festlegen: Wer informiert wen, wann?
- Cyber-Versicherung prüfen – viele Policen decken Ransomware-Schäden nur bei Nachweis von Mindest-Schutzmaßnahmen ab
SSO, MFA, Zero Trust: Was diese Begriffe für Hotels bedeuten
Zero Trust ist kein Produkt, sondern ein Prinzip: Kein Nutzer und kein Gerät bekommt automatisch Vertrauen – jeder Zugriff wird geprüft, unabhängig davon, ob er aus dem Hausnetzwerk oder von außen kommt. Für Hotels heißt das in der Praxis: separate Netzwerke für Gäste-WLAN und Betriebssysteme, rollenbasierte Zugriffsrechte im PMS und regelmäßige Audits, wer eigentlich auf was zugreifen kann.
Was Hoteliers konkret tun können – noch diese Woche
- Inventar anlegen: Welche Systeme haben Zugang zu Gästedaten? PMS, Channel Manager, CRM, Kassensystem – alles auflisten.
- Shared Logins identifizieren: Überall dort, wo mehrere Mitarbeitende dasselbe Passwort nutzen, sofort individuelle Zugänge einrichten.
- MFA aktivieren: Für alle Systeme, die es unterstützen – insbesondere E-Mail, PMS und Cloud-Speicher.
- Patch-Status prüfen: Wann hat das PMS zuletzt ein Sicherheits-Update erhalten? Beim Anbieter nachfragen, Dokumentation anfordern.
- Business-Continuity-Szenario durchspielen: Was macht das Team, wenn das PMS um 14 Uhr ausfällt und 30 Gäste einchecken wollen?
Cybersicherheit ist in der Hotellerie lange als IT-Thema abgetan worden, das irgendein Dienstleister schon regeln wird. Das stimmt nicht mehr – und war es eigentlich nie. Wer Gästedaten verarbeitet, trägt Verantwortung für deren Schutz. Die DSGVO setzt dafür rechtliche Mindeststandards, aber der eigentliche Treiber sollte das Vertrauen der Gäste sein: Ein Datenleck vergessen Gäste nicht so schnell wie eine kurze Wartezeit beim Check-in.


