Das Wichtigste in Kürze

Die Europäische Kommission hat das sogenannte Passenger Package veröffentlicht – neue Regeln für integrierte Buchungssysteme, Emissionsdaten und Fahrgastrechte bei grenzüberschreitenden Reisen. Die Global Business Travel Association (GBTA) unterstützt das Paket und war in dieser Woche mit ranghohen Vertretern in Brüssel, um die Interessen der Geschäftsreisebranche direkt einzubringen.

Was das Passenger Package konkret vorsieht

Grenzüberschreitende Bahnreisen und multimodale Verbindungen – also Kombinationen aus Zug, Bus, Flug und anderen Verkehrsträgern – sind in Europa noch immer schwer buchbar. Wer von München nach Warschau oder von Amsterdam nach Barcelona fahren will, muss oft mehrere Plattformen bemühen, Verbindungen manuell zusammenstellen und Emissionsdaten mühsam selbst zusammensuchen. Genau das soll sich ändern.

Das neue Regelwerk der EU-Kommission zielt auf drei Kernbereiche:

  • Integrierte Buchungssysteme, die verschiedene Verkehrsträger in einer einzigen Oberfläche abbilden
  • Verpflichtende Emissionsdaten für alle buchbaren Verbindungen – relevant für Corporate-Travel-Richtlinien und Nachhaltigkeitsreporting
  • Gestärkte Fahrgastrechte bei multimodalen Verbindungen über Ländergrenzen hinweg
Hintergrund: Was ist das EU Passenger Package?

Das Passenger Package ist ein Gesetzgebungspaket der Europäischen Kommission, das den grenzüberschreitenden Personenverkehr in der EU modernisieren soll. Es adressiert vor allem die Lücken im Hochgeschwindigkeitsbahnverkehr und bei multimodalen Buchungen – also Reisen, die mehrere Verkehrsträger kombinieren. Das Paket ist Teil der breiteren EU-Mobilitätsstrategie und soll die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene fördern.

GBTA in Brüssel: Mehr als 20 Meetings in vier Tagen

Die GBTA hat das Paket nicht nur begrüßt – sie hat aktiv daran mitgewirkt. In dieser Woche trafen sich ranghohe GBTA-Vertreter in Brüssel mit Schlüsselpersonen aus der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und der kommenden EU-Ratspräsidentschaft. Über 20 Einzelgespräche in vier Tagen: Das zeigt, wie ernst die Organisation das Thema nimmt.

Im Fokus standen neben dem Passenger Package auch Pläne für den Ausbau des europäischen Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes und die Frage, wie Geschäftsreisen effizienter und zugleich klimaverträglicher gestaltet werden können.

„The Passenger Package is an important step in the right direction“ – so die offizielle Einschätzung der GBTA zum Kommissionsvorschlag.

Was das für Reisemanager bedeutet

Für Travel Manager und Corporate-Travel-Teams in Europa könnte das Passenger Package spürbare Entlastung bringen – vorausgesetzt, die Umsetzung funktioniert. Drei Punkte sind dabei besonders relevant:

Buchungseffizienz

Integrierte Systeme bedeuten weniger manuelle Arbeit bei der Reiseplanung. Wer heute multimodale Reisen für Mitarbeitende bucht, kennt den Aufwand: verschiedene Tools, unterschiedliche Buchungsklassen, fehlende Direktverbindungen im System. Ein einheitliches Framework könnte das deutlich vereinfachen.

Nachhaltigkeitsreporting

Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, ihre Scope-3-Emissionen – dazu gehört auch der Geschäftsreisebereich – transparent zu berichten. Verpflichtende Emissionsdaten je Verbindung sind dafür eine wichtige Grundlage. Bislang sind diese Daten lückenhaft und schwer vergleichbar.

Fahrgastrechte

Bei verpassten Anschlüssen über Ländergrenzen hinweg ist die Rechtslage heute unübersichtlich. Gestärkte Rechte bei multimodalen Verbindungen reduzieren das Risiko für Reisende und vereinfachen den Umgang mit Störungen.

EU Passenger Package – Chancen und offene Fragen

Dafür spricht

  • Einheitliche Buchungsoberflächen für multimodale Reisen
  • Verpflichtende CO₂-Daten erleichtern Nachhaltigkeitsreporting
  • Klarere Fahrgastrechte bei grenzüberschreitenden Verbindungen
  • Stärkere Verlagerung auf klimafreundlichere Bahnverbindungen möglich

Dagegen spricht

  • Umsetzungszeitplan noch unklar
  • Technische Integration verschiedener Bahnsysteme bleibt komplex
  • Nationale Interessen können Umsetzung verlangsamen
  • Konkrete Standards für Emissionsdaten noch nicht definiert

Nächste Schritte im EU-Gesetzgebungsprozess

Das Passenger Package ist ein Kommissionsvorschlag – bis zur tatsächlichen Anwendung liegt noch ein langer Weg durch Parlament und Rat vor ihm. Die GBTA wird den Prozess weiter begleiten und ihre Position in den laufenden Trilog-Verhandlungen einbringen. Für die Branche gilt: Jetzt ist der richtige Moment, eigene Anforderungen zu formulieren und über Verbände wie die GBTA oder den VDR in den politischen Prozess einzuspeisen.

Redaktions-Einschätzung: Das Paket klingt gut – die entscheidende Frage ist die Umsetzungstiefe. Freiwillige Branchenstandards für Emissionsdaten gibt es seit Jahren, ohne dass sich wirklich etwas bewegt hat. Diesmal ist gesetzlicher Druck dahinter.

HÄUFIGE FRAGEN

Was ist das EU Passenger Package?

Das Passenger Package ist ein Gesetzgebungspaket der Europäischen Kommission, das grenzüberschreitende und multimodale Reisen in Europa vereinfachen soll – durch integrierte Buchungssysteme, verpflichtende Emissionsdaten und gestärkte Fahrgastrechte.

Warum unterstützt die GBTA das Passenger Package?

Die GBTA sieht das Paket als wichtigen Schritt, um Geschäftsreisen in Europa effizienter und nachhaltiger zu machen. Die Organisation war in Brüssel aktiv an Gesprächen mit EU-Institutionen beteiligt, um die Interessen der Branche einzubringen.

Was bedeutet multimodales Reisen im Kontext des Pakets?

Multimodal meint die Kombination verschiedener Verkehrsträger – Zug, Bus, Flug – innerhalb einer einzigen Buchung. Das Passenger Package soll diese Kombination einfacher buchbar und rechtlich abgesicherter machen.

Wann tritt das EU Passenger Package in Kraft?

Das Paket ist noch ein Kommissionsvorschlag. Es muss noch durch Europäisches Parlament und Rat – ein Zeitplan für die endgültige Anwendung steht noch nicht fest.

Was bringt das Paket für das Nachhaltigkeitsreporting von Unternehmen?

Verpflichtende Emissionsdaten für alle buchbaren Verbindungen sollen das Scope-3-Reporting für Unternehmen erleichtern – bisher sind diese Daten lückenhaft und schwer vergleichbar.
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