83 Prozent der deutschen Reisenden sagen, dass ihnen nachhaltigeres Reisen wichtig ist. Laut Booking.com setzen ältere Generationen dabei öfter konkrete Maßnahmen um als Jüngere.
Die Studie basiert auf 32.500 Befragten in 35 Ländern. In Deutschland berücksichtigen 63 Prozent Extremwetter bei der Wahl des Reiseziels, 43 Prozent wollen überfüllte Orte meiden.
Was die Studie wirklich zeigt
Die neue Umfrage von Booking.com macht einen klaren Bruch sichtbar: Gen Z und Millennials reden häufiger über nachhaltigeres Reisen, Babyboomer ziehen eher nach. Das ist unbequem für alle, die seit Jahren auf die junge Zielgruppe schauen und dort vor allem Haltung statt Handlung sehen.
Studie auf einen Blick
- Deutsche Reisende
- 83 % wollen nachhaltiger reisen
- Erhebung
- 32.500 Reisende in 35 Ländern
- Extremwetter bei der Zielwahl
- 63 %
- Reisen außerhalb der Hauptsaison
- 42 %
Die Generationen ticken anders
Laut Studie planen 73 Prozent der Gen Z und 71 Prozent der Millennials, in den kommenden 12 Monaten nachhaltiger zu reisen. Bei den Babyboomern sind es nur 40 Prozent. Beim Verhalten kippt das Bild aber: 51 Prozent der Babyboomer recyceln auf Reisen, bei Millennials liegt der Wert bei 29 Prozent, bei Gen Z bei 34 Prozent.
- 58 Prozent der Babyboomer konsumieren im Urlaub regionale Produkte.
- 74 Prozent der Babyboomer meiden Reisen in der Hochsaison.
- Nur 37 Prozent der Gen Z umgehen Spitzenzeiten.
Extremwetter verschiebt die Reiseentscheidung
Ein zweiter Punkt zieht sich durch alle Altersgruppen: Wetterrisiken landen direkt in der Planung. 63 Prozent der deutschen Befragten achten bei der Zielwahl auf extremes Wetter, 64 Prozent auf den Reisezeitpunkt. Ebenfalls 63 Prozent vermeiden Ziele, die als Extremwetter-Hotspots gelten.
29 Prozent der Deutschen haben ihre Reisepläne in den vergangenen 12 Monaten wegen Naturkatastrophen wie Stürmen, Waldbränden oder Überschwemmungen storniert oder geändert. 49 Prozent sagen, bestimmte Ziele seien ihnen inzwischen zu heiß. 41 Prozent haben Destinationen wegen Extremwetter-Meldungen von der Wunschliste gestrichen.
Das Thema trifft damit nicht nur Hotelteams vor Ort, sondern auch Veranstalter, OTA-Algorithmen und Destination-Marketing. Wer im Sommer auf Hitze, Crowding und Wetterstörungen keine Antwort hat, verliert Reichweite. Punkt.
Was Destinationen und Betriebe daraus ableiten können
Für Hotels, Ferienregionen und Reiseveranstalter zählt jetzt weniger das große Nachhaltigkeitsversprechen, sondern die konkrete Reaktion im Produkt. Die Daten zeigen drei klare Hebel:
- Außerhalb der Hauptsaison sichtbar machen, was in der Nebensaison gut funktioniert.
- Regionale Küche, kurze Lieferwege und einfache Refill-Lösungen nicht nur anbieten, sondern klar kommunizieren.
- Auf Wetterrisiken reagieren: Schatten, Wasser, flexible Anreise und Indoor-Alternativen gehören ins Angebot.
Andere Studien gehen in eine ähnliche Richtung. Auch in der ADAC-Tourismusstudie 2025 und bei TUI spielt die Frage mit, wie sich Reiseentscheidungen unter Wetter- und Kostendruck verschieben. Das Muster ist klar: Die Branche verkauft nicht mehr nur Ziele. Sie verkauft auch Anpassung.
So liest du die Zahlen richtig
Die Studie sagt nicht, dass junge Reisende sich nicht für Nachhaltigkeit interessieren. Sie zeigt etwas anderes: Absicht und Alltag fallen auseinander. Bei älteren Reisenden sitzt die konkrete Handlung oft fester, bei Jüngeren die Haltung. Für Gastgeber ist das nützlich, weil sich daraus andere Angebote, andere Texte und andere Buchungsreize ableiten lassen.
- Sprich nicht nur über CO2, sondern über greifbare Entscheidungen.
- Mach Nebensaison und Ausweichzeiten sichtbar.
- Zeig, wie du auf Hitze, Wasserknappheit und volle Orte reagierst.


