Der Nahe Osten will bis 2030 knapp 350 Milliarden US-Dollar Tourismus-Umsatz generieren – ein Plus von fast 50 Prozent gegenüber 2024. Saudi-Arabien und die UAE haben ihre Strategien neu ausgerichtet: weg vom reinen Luxus-Fokus, hin zu einem breiten Angebotsmix. Wyndham hat das bereits verstanden und gerade 100 Super-8-Hotels in Saudi-Arabien unterzeichnet.
350 Milliarden Dollar bis 2030 – was steckt dahinter?
Die Zahlen sind eindeutig: Laut dem ATM Travel Trends Report 2025, erstellt von Tourism Economics im Auftrag des Arabian Travel Market, soll der touristische Gesamtumsatz im Nahen Osten bis 2030 auf fast 350 Milliarden US-Dollar klettern. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von über 7 Prozent zwischen 2025 und 2030. Schon in diesem Jahr dürften die regionalen Ausgaben rund 54 Prozent über dem Niveau von 2019 liegen.
Was treibt das? Drei Hebel gleichzeitig: massive Investitionen in Luftfahrt und Konnektivität, ein aggressiver Ausbau der Sport- und Entertainment-Infrastruktur sowie nationale Visionsprogramme – allen voran Saudi Vision 2030 und die UAE-Tourismus-Agenda. Die Botschaft dahinter ist klar: Der Nahe Osten will globale Drehscheibe sein, nicht bloß Luxus-Enclave.
Vom Luxus-Silo zum breiten Angebotsmix
Lange galt der Nahe Osten als Spielwiese für Siebensterneträume: Burj Al Arab, Atlantis The Palm, künftige Giga-Projekte wie NEOM. Das bleibt. Aber Saudi-Arabien und die UAE haben erkannt, dass Massentourismus – also Reisende mit mittlerem Budget – nur kommt, wenn die Infrastruktur stimmt. Ein Markt, der ausschließlich aus Suiten und Penthäusen besteht, hat eine natürliche Wachstumsgrenze.
Genau hier öffnet sich eine Lücke. Mid-Market-Hotels, Budget-Konzepte und Lifestyle-Brands fehlen in vielen Städten der Region noch fast vollständig. Wer als junger Europäer oder Südostasiat nach Riad fliegt – zu den Konzerten, den Sportereignissen, den Kulturstätten – braucht eine vernünftige Unterkunft für 80 bis 120 Euro die Nacht, keinen Palastsuite.
Wyndham Super 8: 100 Hotels auf einen Schlag
Wyndham Hotels & Resorts hat diesen Moment früh erkannt. Das Unternehmen hat kürzlich einen Deal für 100 Super-8-Hotels in Saudi-Arabien unterzeichnet – eine Größenordnung, die in der Branche aufhorchen lässt. Super 8 ist Wyndhams Budget-Marke, bekannt aus den USA, jetzt in die arabische Halbinsel transferiert.
Das ist kein Einzelfall. Andere internationale Ketten sondieren den Markt ebenfalls auf Mid-Market-Potenzial. IHG, Accor und Hilton haben in den vergangenen Jahren jeweils günstigere Submarken in die Region gebracht – aber keiner hat bisher so ein klares volumetrisches Statement abgegeben wie Wyndham mit diesem Signing.
- Marke: Super 8 by Wyndham – Wyndhams größte Budget-Brand weltweit
- Volumen: 100 Hotels, unterzeichnet für Saudi-Arabien
- Zielgruppe: Reisende mit mittlerem Budget, Geschäftsreisende, Inlandstouristen
- Timing: Direkt im Kontext der Saudi Vision 2030 und der angestrebten 150 Millionen Touristenankünfte bis 2030
- Bedeutung: Größtes Mid-Market-Paket eines internationalen Betreibers in Saudi-Arabien bisher
Drei Märkte, drei Strategien
Der Nahe Osten ist kein homogener Block. Dubai, Riad und Maskat verfolgen unterschiedliche Positionen – und das beeinflusst, welche Hotelkonzepte dort funktionieren.
Dubai: Stadthotels unter Druck
Dubai hat bereits ein tiefes Hotelbett-Angebot – über 140.000 klassifizierte Zimmer. Das Wachstum verlagert sich hier stärker in Richtung Lifestyle und Design-Hotels. Mid-Market ist schon präsenter als anderswo, der Wettbewerb entsprechend härter. RevPAR-Druck ist Realität.
Saudi-Arabien: Nachholbedarf auf allen Ebenen
Riad, Dschidda, AlUla – die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot ist hier am größten. Das Land hat aggressive Ziele: 150 Millionen Touristenankünfte bis 2030, Tourismus soll auf 10 Prozent des BIP steigen. Bisher fehlt vor allem Volumen im mittleren Segment. Wyndham füllt genau das.
Oman: Öko und Entschleunigung
Oman geht einen anderen Weg: weniger Masse, mehr Qualität und Natur. Boutique-Lodges, Wüstencamps, nachhaltig ausgerichtete Resorts. Das Volumen ist kleiner, die Margen bei richtigem Konzept aber attraktiv. Wer hier investiert, braucht einen langen Atem.
Was das für Fachkräfte bedeutet
Ein Markt, der 100 neue Budget-Hotels in einem Land aufbaut, braucht Personal. Auf allen Ebenen. Wer in der Hotellerie Karriere macht und internationale Erfahrung sucht, sollte den Nahen Osten jetzt auf dem Radar haben – nicht erst in drei Jahren, wenn die Stellen schon vergeben sind.
Saudi-Arabien baut gerade Ausbildungsstrukturen auf. Das Land hat historisch stark auf expatriate-Arbeitskräfte gesetzt, schiebt nun aber mit dem Saudisierungsprogramm (Nitaqat) auch die lokale Beschäftigungsquote in der Tourismus-Branche nach oben. Das schafft Dynamik – und Bedarf an Trainern, Operatoren und Führungskräften, die Systeme aufbauen können.
- Deutsch-arabische Sprachkenntnisse: noch ein echter Wettbewerbsvorteil
- Erfahrung mit Budget- oder Mid-Market-Betrieben: genau das, was jetzt gesucht wird
- Trainings- und Onboarding-Kompetenz: lokale Belegschaften müssen schnell hochqualifiziert werden
- Revenue Management für Wachstumsmärkte: andere Dynamik als in gesättigten Märkten
- Kultursensitivität: Pflicht, kein Nice-to-have
Ausblick: Wer 2025 zeichnet, eröffnet 2028
Der Wyndham-Deal ist ein Signal, kein Ausreißer. Wer jetzt die Verträge unterzeichnet, baut in den nächsten zwei bis drei Jahren – und eröffnet pünktlich zum großen Wachstumsschub, den die Region zwischen 2027 und 2030 erwartet. Das Timing ist strategisch kein Zufall.
Für Investoren, Betreiber und Fachkräfte gilt: Das Fenster ist offen. Noch sind Standorte verfügbar, Konditionen verhandelbar, Positionen zu besetzen. 2030, wenn die 350-Milliarden-Marke erreicht sein soll, wird der Markt deutlich enger sein.


