Newport Hospitality Group hat im Mai 2026 sein jährliches Leadership Retreat im Ellie Resort in Myrtle Beach, South Carolina, abgehalten. Führungskräfte, Partner und Hotelmitarbeitende trafen sich mehrere Tage lang, um ihre gemeinsame Unternehmensphilosophie „Living Hospitality“ zu schärfen. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie lebt man Gastfreundschaft wirklich – jenseits von Hochglanz-Leitbildern?
Leadership Retreats gibt es viele. Die meisten hinterlassen wenig außer einem neuen Powerpoint-Deck und einem Teamfoto. Beim Newport Hospitality Group Retreat 2026 lief das offenbar anders – zumindest wenn man den Worten der Teilnehmenden glaubt. Mehrere Tage lang saßen Hoteldirektoren, Area-Director-of-Sales-Teams und Partner zusammen, um über eine Frage nachzudenken, die in der Branche gerne verdrängt wird: Was bedeutet Gastfreundschaft, wenn die Kamera nicht läuft?
„Living Hospitality“ – Kultur oder Marketing?
Der Begriff klingt zunächst nach Agentursprache. Newport Hospitality Group setzt ihn aber konsequent als kulturellen Anker ein – nicht als Kampagnen-Claim. CEO Andrew Carey definiert ihn im Original-Statement so:
„Living Hospitality summarizes who we are as Newport. It means bringing your most human side to your peers, to your guests, to everyone you encounter. In essence, we are bringing peace, friendship, and empathy into every situation.“
– Andrew Carey, CEO Newport Hospitality Group
Das klingt nach klassischem CEO-Statement – aber der Retreat war so gebaut, dass die Aussage nicht nur von oben nach unten kommuniziert wurde. Breakout-Sessions, informelle Netzwerkformate und gemeinsame Erlebnisse sollten dafür sorgen, dass Führungskräfte auf verschiedenen Ebenen ihre eigene Interpretation entwickeln.
Was Führungskräfte konkret darunter verstehen
Interessanter als die offizielle Unternehmensformulierung sind die Aussagen aus den mittleren Führungsebenen – die im Alltag tatsächlich die Schnittstelle zwischen Unternehmenskultur und Gästeerlebnis bilden.
Heidi DeRise, Area Director of Sales für mehrere Hilton- und Marriott-Häuser in Fayetteville, North Carolina, betont die Rolle von Inklusion und echten Beziehungen:
„To me, 'Living Hospitality' means leading with intention, empathy, and authenticity in every interaction—whether with guests, team members, or partners.“
– Heidi DeRise, Area Director of Sales, Home2 Suites / Candlewood Suites / Fairfield Inn & Suites Fayetteville
Ken Rogers, General Manager des Residence Inn Blacksburg University, bringt es auf eine einprägsame Kurzformel:
Proaktiv statt reaktiv – das ist im Hotel-Alltag leichter gesagt als getan. Besonders wenn Personalknappheit, hohe Fluktuation und Kostendruck die operativen Teams täglich unter Druck setzen.„Be proactive, not reactive. Be personal, not transactional. It's about how you make people feel.“
– Ken Rogers, General Manager, Residence Inn Blacksburg University
People-First als Geschäftsmodell
Newport Hospitality Group verwaltet Hotels verschiedener Marken – darunter Häuser von Hilton, Marriott und Hyatt. Die Herausforderung bei solchen Management-Gesellschaften: Unternehmenskultur muss über verschiedene Markenidentitäten, Standorte und Teams transportiert werden, ohne dass eine zentrale Brand-Identity das übernimmt.
Genau da setzt das „Living Hospitality“-Konzept an. Tania Ghanem, Director of Sales im Hilton Garden Inn Frederick, Maryland, beschreibt den Ansatz:
„Living Hospitality is not scripted service. It's a culture where people genuinely care about the experience they create for clients and team members. Meaningful, personal gestures (large and small) are what transform service into lasting relationships.“
– Tania Ghanem, Director of Sales, Hilton Garden Inn Frederick
Nicht gescripteter Service, sondern echte Haltung – das ist der entscheidende Unterschied. Und gleichzeitig das Schwierigste zu messen und zu skalieren.
Newport Hospitality Group ist eine US-amerikanische Hotelmanagement-Gesellschaft mit Sitz in Virginia. Das Unternehmen betreibt Hotels verschiedener Marken, darunter Häuser von Hilton, Marriott und Hyatt, an mehreren Standorten in den USA. Das jährliche Leadership Retreat bringt Führungskräfte, Partner und Eigentümer zusammen, um Unternehmensstrategie und -kultur weiterzuentwickeln. Das 2026er Retreat fand im Ellie Resort in Myrtle Beach, South Carolina statt.
Nachwuchsförderung als Teil der Philosophie
James Landrum, Area Director of Sales & Marketing für Häuser in Blacksburg, Virginia, spricht einen Aspekt an, der über das reine Gästeerlebnis hinausgeht: den Aufbau von Talenten und Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen. Newport pflegt eine Zusammenarbeit mit der Virginia Tech Hospitality School – ein Ansatz, der zeigt, dass „People-First“ auch Nachwuchsförderung einschließt.
Für Hotelunternehmen, die händeringend nach Fachkräften suchen, ist das kein Nice-to-have mehr. Es ist ein strategischer Baustein. Wer heute nicht in Hochschulpartnerschaften investiert, rekrutiert morgen im Leerlauf.
Was andere Hotelgruppen daraus mitnehmen können
Das Newport-Modell ist kein Patent-Rezept – aber es zeigt ein paar Muster, die sich übertragen lassen:
- Kulturarbeit findet nicht im Retreat statt, sondern wird dort nur sichtbar gemacht – der Alltag entscheidet
- Führungskräfte auf allen Ebenen brauchen eine eigene Sprache für die Unternehmenskultur, keine auswendig gelernte Leitbild-Formulierung
- Proaktives Handeln muss trainiert und strukturell ermöglicht werden – nicht nur eingefordert
- Partnerschaften mit Hochschulen sind kein Marketing, sondern Recruiting-Infrastruktur
- Echte Gesten schlagen standardisierte Service-Protokolle, wenn es um Kundenbindung geht
Fazit: Kultur ist kein Retreat-Thema
„Living Hospitality“ ist kein Motto, das man sich auf einen Aufsteller stellt und am Ende der Retreat-Woche wieder einpackt. Die Aussagen der Newport-Führungskräfte machen deutlich: Unternehmenskultur funktioniert nur, wenn sie in konkreten Alltagssituationen entschieden wird – beim schwierigen Gast, im müden Spätdienst, im Gespräch mit einem überforderten Kollegen. Das ist keine revolutionäre Erkenntnis. Aber es ist eine, die in der Hotellerie regelmäßig neu verhandelt werden muss.

