Jede Buchung über eine Online Travel Agency (OTA) wie Booking.com, Expedia oder HRS kostet Provision. Die Sätze wirken klein, summieren sich aber schnell zu fünf- bis sechsstelligen Beträgen pro Jahr. Dieser Rechner macht transparent, was OTA-Abhängigkeit tatsächlich kostet — und was Direktbuchungen wert sind.

Typische Provisionssätze 2026

  • Booking.com: 15 % Standard, oft 17–25 % mit Preferred-Partner und Genius-Rabatten
  • Expedia: 15–20 %, Expedia Collect oft höher durch Marketing-Komponente
  • HRS: 10–15 %, primär Business Travel
  • Airbnb: 3 % (Host) + 14 % (Gast) — Hotels meist über B2B-Modelle
  • SecretEscapes / HotelTonight: 20–30 %+
  • Agoda: 15–20 %, stark in Asien-Pazifik

Die Formel

Provisionsbetrag = OTA-Zimmerumsatz × (Provisionssatz ÷ 100).

BEISPIEL-RECHNUNG (ohne JS sichtbar)

100.000 € × 17 % = 17.000 € Provision

Mittelständisches Stadthotel mit 100.000 € OTA-Umsatz im Monat bei 17 % Booking-Provision (Preferred Partner).

Rechenbeispiele aus der Praxis

Mittelständisches Stadthotel: 240.000 € OTA-Umsatz pro Jahr × 17 % = 40.800 € Provision. Entspricht einem Vollzeit-Marketingmanager oder einem umfassenden Website-Relaunch.

Boutiquehotel: 90.000 € OTA-Umsatz × 22 % = 19.800 € Provision — bei 40 Zimmern eine deutliche Belastung der Marge.

Ferien-Resort: 1,8 Mio. € OTA-Umsatz × 18 % = 324.000 € Provision. Bei 30 % Direktbuchungs-Verschiebung ~97.000 € Netto-Gewinn pro Jahr.

Provisionen in Excel berechnen

=B2*(B3/100)

OTA-Umsatz in B2, Provisionssatz in B3. Für Jahressummen über mehrere OTAs: separate Spalten pro Kanal und SUMME-Formel.

Direktbuchung: Was ist sie wirklich wert?

Jeder Euro, der direkt gebucht wird, spart die OTA-Provision — geht aber oft mit Direct-Marketing-Kosten einher. Faustregel: Direktbuchungen sind netto 8–15 Prozentpunkte profitabler als OTA-Buchungen, wenn man Marketing-Aufwand realistisch einrechnet.

Rechnerisch: Bei 17 % OTA-Provision und 5 % Direct-Marketing-Cost (Google Ads, Website, Tools, Content) liegt die Netto-Ersparnis bei 12 Prozentpunkten pro verschobenem Euro — vor Effekt auf Wiederkehr und Zweitbuchungen.

Häufige Fehler bei der Provisions-Rechnung

  1. Marketing-Zuschläge vergessen: Booking Preferred, Expedia Travel Ads, Genius-Discounts — oft 3–8 Prozentpunkte Zusatz auf den Basissatz.
  2. Storno-Gebühren doppelt gezählt: Bei stornierten Buchungen fließt keine Provision, aber auch kein Umsatz. Nicht-stornierbare Rates brauchen eigene Kalkulation.
  3. MwSt.-Basis uneinheitlich: Manche OTAs rechnen auf Brutto, andere auf Netto. Vertragslage prüfen.
  4. Payment-Fees vergessen: Bei Expedia Collect und Agoda fallen zusätzlich Zahlungsdienstleister-Fees an — oft nicht als Provision, aber in der Ergebnisrechnung.

OTA-Abhängigkeit reduzieren

  1. Best-Rate-Garantie auf der eigenen Website — gleicher oder niedrigerer Preis als auf der OTA.
  2. Booking Engine optimieren — schnelle, mobile-freundliche, vertrauenswürdige Direktbuchung.
  3. Eigenes Loyaltyprogramm — exklusive Rates, Upgrades für Stammgäste.
  4. Metasearch-Präsenz — Google Hotel Ads, Trivago als günstigere CPC-Kanäle.
  5. Gäste-Remarketing — E-Mail, Social, Retargeting-Ads.

Kostenloses Excel-Template: Hotel-KPIs

Enthält auch NRevPAR — den Netto-RevPAR nach OTA-Provisionen.

↓ HOTEL-KPI-TEMPLATE.XLSX (kostenlos)

Hidden Cost: Die unsichtbaren OTA-Gebühren

Der Basis-Provisionssatz ist nur ein Teil der wahren OTA-Kosten. Häuser, die genau kalkulieren, rechnen mindestens vier weitere Posten mit:

  1. Genius- und Mitgliedsrabatte (Booking.com): 10 % Rabatt auf den Gastpreis, den du trägst. Effektiver Gesamtsatz: 15 % + 10 % = 25 % auf den Bruttopreis.
  2. Marketing-Boost-Produkte: Preferred Partner (+3 %), Visibility Booster (+5–8 %), Last-Minute-Deals (+5 %). Kumulativ bei aktiven Häusern oft zusätzliche 8–12 Prozentpunkte.
  3. Zahlungsdienstleister-Fees: Bei Booking Payments oder Expedia Collect kommen 1,5–2,5 % Kreditkarten-/Processing-Fees oben drauf.
  4. Rate Parity Penalties: Wer auf der eigenen Website günstiger verkauft, riskiert Listing-Absturz im OTA-Ranking — ein unsichtbarer Opportunitätskostenblock.
  5. Inventory-Lock-in: Nicht-stornierbare Rates werden oft bevorzugt ranked, aber der Haus-Anteil daran sinkt unter 70 % — Opportunitätskosten bei Storno.

Realistisch kalkulierter Gesamt-OTA-Kostenanteil: 20–35 % des Bruttoumsatzes, nicht die auf den Verträgen stehenden 15 %. Wer das einpreist, rechnet Direktbuchungen ganz anders.

Weiterführende Quellen

  • Booking.com Partner Hub – offizielle Informationen zu Provisionsmodellen und Preferred-Partner-Programm.
  • Expedia Partner Central – Dokumentation zu Provisionssätzen, Expedia-Collect und Marketing-Komponenten.
  • HOTREC – Europäischer Hotelverband, Pressemitteilungen und Positionen zu OTA-Regulierung.

OTA-Abhängigkeit reduzieren: Drei Strategien

Direkt-Buchung-Incentives

Direct-Book-Rabatte (3–8 % unter OTA-Rate), exklusive Pakete und Loyalty-Programme ziehen Wiederkehrer von OTAs weg. Kritisch: die Website muss in Ladezeit und Buchungsstrecke mit OTA-Frontends mithalten, sonst bleibt der Wechsel aus.

Metasearch-Präsenz

Google Hotel Ads, Trivago und Kayak platzieren die Direkt-Rate neben den OTAs. Richtig konfiguriert (Meta-Bidding, Parity-Manager) senken sie die Akquisitionskosten pro Buchung auf 5–10 %, gegen 15–20 % OTA-Kommission.

Retargeting nach OTA-Besuch

Pixel-basiertes Retargeting auf Gäste, die via OTA gebucht haben, zieht sie bei der Folgebuchung direkt auf die Website. Voraussetzung: DSGVO-konformes Consent-Management und ein Loyalty-Programm, das einen konkreten Mehrwert gegen die OTA-Bequemlichkeit liefert.

Weiterführende Rechner

HÄUFIGE FRAGEN

Wie hoch ist die Booking.com-Provision?

Standard 15 %. Mit Preferred Partner Programm und Genius-Rabatten steigt der Satz oft auf 17–25 %. Für Spezialangebote (Last Minute, Early Bird) kommen häufig weitere Marketing-Zuschläge.

Wie hoch ist die Expedia-Provision?

15–20 % im Standardmodell. Bei Expedia Collect (Merchant-Modell) oft höher, weil Marketing- und Paymentkosten mit eingerechnet sind.

Wie viel ist eine Direktbuchung mehr wert als eine OTA-Buchung?

Netto 8–15 Prozentpunkte profitabler — auch nach Abzug von eigenem Marketing- und Booking-Engine-Aufwand. Je stärker die Marke, desto größer der Spread.

Wie reduziert man OTA-Abhängigkeit?

Best-Rate-Garantie auf der eigenen Website, optimierte Booking Engine, eigenes Loyaltyprogramm, Metasearch-Präsenz (Google Hotel Ads, Trivago) und konsequentes Gäste-Remarketing.

Was ist NRevPAR?

Net RevPAR — der RevPAR nach Abzug aller Vertriebskosten inklusive OTA-Provisionen. Zeigt, wie viel netto pro verfügbarem Zimmer ins Haus fließt.

Wie berechnet man OTA-Provisionen in Excel?

Formel: =B2*(B3/100). Mit OTA-Umsatz in B2 und Provisionssatz in B3.

Zahlt man bei Stornos Provision?

In der Regel nein, aber vertraglich unterschiedlich. Manche OTAs kassieren Mindestsätze oder anteilige Gebühren — AGB genau prüfen.
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