Die Break-Even-Auslastung ist der kritische Wendepunkt: Ab dieser Belegungsquote deckt der Umsatz die Fixkosten. Alles darüber ist Gewinn, alles darunter Verlust. Für Betreiber, Banker und Investoren ist das eine der wichtigsten Planungszahlen — gerade nach Modernisierungen oder in Nebensaison.
Die Formel
Break-Even-Auslastung (%) = (Fixkosten ÷ (Deckungsbeitrag × verfügbare Zimmer × Tage)) × 100. Der Deckungsbeitrag pro Zimmer-Nacht ist der ADR minus variable Kosten pro Zimmer (Reinigung, Wäsche, Energie, Frühstück, variable Personalanteile) — typisch 15–35 % vom ADR.
(90.000 € ÷ (60 € × 80 × 30)) × 100 = 62,5 % Auslastung
Midscale-Stadthotel: 90.000 € Fixkosten im Monat, 60 € Deckungsbeitrag pro Zimmer-Nacht, 80 Zimmer.
Rechenbeispiele
Stadthotel Midscale: 90.000 € Fixkosten, 60 € Deckungsbeitrag, 80 Zimmer, 30 Tage → 62,5 % Break-Even-Auslastung.
Budget-Hotel: 45.000 € Fixkosten, 25 € Deckungsbeitrag, 100 Zimmer, 30 Tage → 60 % Break-Even. Budget-Häuser leben von Auslastung, nicht von Preis.
Luxury-Resort: 180.000 € Fixkosten, 140 € Deckungsbeitrag, 80 Zimmer, 30 Tage → 53,6 % Break-Even. Hohe Deckungsbeiträge geben mehr Puffer.
Break-Even in Excel berechnen
=(B2/(B3*B4*B5))*100
Fixkosten in B2, Deckungsbeitrag pro Zimmer-Nacht in B3, Zimmer in B4, Tage in B5. Ergebnis in Prozent.
Richtwerte nach Betriebstyp (DACH 2026)
- Stadt-Business: 55–65 %
- Midscale Standard: 60–70 %
- Resort / Ferien: 45–60 % (dank hoher Deckungsbeiträge)
- Budget / Limited Service: 65–75 %
- Luxury: 45–58 %
Über 75 % gilt als kritisch — dann killen kleine Marktschwankungen die Marge. Dauerhaft unter dem Branchenschnitt ist meist ein Zeichen von Überkapazität oder hoher Fixkosten-Basis.
Was sind Fixkosten, was variable Kosten?
Fixkosten (fallen unabhängig von Belegung an): Miete/Pacht, Gehälter der Stammbelegschaft, Abschreibungen, Versicherungen, Wartungsverträge, Steuern auf Gebäude, Grundenergieverbrauch.
Variable Kosten (skalieren mit verkauften Zimmern): Reinigung pro Zimmer, Wäsche, Amenities, Frühstück/F&B-Wareneinsatz, variable Personalanteile (Bedarfsarbeit), OTA-Provisionen, Zahlungsdienstleister-Gebühren.
Die Trennung ist nie ganz sauber — z.B. Personal ist teils fix, teils variabel. Faustregel: je mehr flexible Schichten du fahren kannst, desto mehr wird Personal variabel.
Häufige Fehler
- Deckungsbeitrag mit ADR verwechselt: ADR ist Bruttopreis, Deckungsbeitrag ist ADR minus variable Kosten pro Zimmer.
- Nebenerlöse im Deckungsbeitrag vergessen: F&B- und Spa-Margen entlasten die Zimmer-Deckungslast — sauber einrechnen.
- Saisonale Fixkosten: In starken Saisonbetrieben sind viele Kosten sprungfix (Personal, Einkauf). Für Ferienhotels lohnt sich ein Break-Even pro Saison, nicht pro Monat.
- Miete als fix behandeln bei Umsatzpacht: Umsatzabhängige Pachtanteile sind variabel — korrekt zuordnen.
Break-Even senken
- Fixkosten reduzieren — neuer Energievertrag, Personaleinsatz flexibilisieren, Outsourcing von Housekeeping in Tiefphasen.
- ADR steigern — wirkt direkt auf den Deckungsbeitrag. Siehe ADR-Rechner.
- Variable Kosten senken — Einkaufsverbund für Wäsche/Reinigungsmittel, Energieeffizienz.
- Nebenerlöse ausbauen — F&B und Spa entlasten die reine Zimmer-Deckungslast.
- Direktbuchungen statt OTA — spart 15–25 % Provision, hebt Deckungsbeitrag netto.
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Operating Leverage: Warum Luxury-Häuser tiefere Break-Even-Werte haben
Intuitiv würde man vermuten: Luxus-Hotels mit ihren hohen Fixkosten (Personal, Ausstattung, Service-Tiefe) brauchen mehr Auslastung zum Break-Even. Tatsächlich ist das Gegenteil oft der Fall — weil der Deckungsbeitrag pro Zimmer-Nacht überproportional hoch ist.
Rechenbeispiel: Luxury-Hotel mit 500 € ADR und 25 % variablen Kosten hat 375 € Deckungsbeitrag pro Nacht. Budget-Hotel mit 60 € ADR und 35 % variablen Kosten hat nur 39 € Deckungsbeitrag. Der Luxury-Betrieb kann seine (zugegeben höheren) Fixkosten mit zehnmal weniger Nächten decken.
Die Kennzahl für dieses Phänomen heißt Operating Leverage: das Verhältnis von Deckungsbeitrag zu Nettogewinn. Je höher, desto empfindlicher reagiert der Gewinn auf Auslastungsänderungen. Luxury-Häuser haben hohen Operating Leverage — ihr Gewinn explodiert in der Hochsaison, fällt aber in der Nebensaison auch schneller unter null.
Weiterführende Quellen
- DEHOGA Bundesverband – Kennzahlen-Spiegel und Kostenstatistiken für Hotellerie und Gastronomie.
- IHA Hotelverband Deutschland – Branchenstatistiken zu Fixkosten und Deckungsbeiträgen.
- Statista Hotellerie – Datenreports zu Betriebskostenstrukturen im DACH-Raum.
Break-Even senken: Drei strukturelle Hebel
Fixkostenstruktur überprüfen
Pachten, Versicherung, Grundsteuer und Management-Fees sind typische Fixkosten-Blöcke. Re-Verhandlung der Pacht (oft alle 5–10 Jahre fällig), Wechsel zu einem anderen Energie-Lieferanten oder Kettenwechsel mit günstigeren Fees können die Fixkostenbasis um 5–15 % senken.
Variable-Kosten-Struktur straffen
Je höher der Deckungsbeitrag pro Zimmer, desto niedriger die Break-Even-Auslastung. Hebel: F&B-Cost-Quote senken, Housekeeping-Minuten optimieren, Energiekosten per Gast reduzieren. Jeder Prozentpunkt Deckungsbeitrag senkt Break-Even um 1–2 Punkte Auslastung.
Pre-Opening-Kalkulation
Bei Neueröffnung oder Repositionierung ist der erste Break-Even-Check kritisch: welche Auslastung brauche ich im 1., 2., 3. Jahr? Ramp-up-Kurven in Stadthotels typisch Jahr 1 55 %, Jahr 2 68 %, Jahr 3 stabilisiert. Die Break-Even-Rechnung zeigt, ob die Vorfinanzierung reicht.
Weiterführende Rechner
- RevPAR-Rechner
- ADR-Rechner — Deckungsbeitrag-Basis
- GOPPAR-Rechner — Profitabilität
- OTA-Provisions-Rechner — variabler Kostenblock
- Personalkostenquote
- Hotel-KPI-Hub

