Steigende Kosten, Fachkräftemangel, unsichere Märkte – die Privathotellerie steckt unter Druck. Petra Weindl, geschäftsführende Vorständin der Hotelkooperation Ringhotels, erklärt, wie inhabergeführte Häuser durch Kooperation ihre Eigenständigkeit sichern, international sichtbar bleiben und Digitalisierung pragmatisch einsetzen. Der Fokus bleibt klar auf Deutschland – eine Expansion in die Schweiz oder nach Österreich schließt sie perspektivisch aber nicht aus.
Der Druck auf Privathotels wächst
Inhabergeführte Hotels stehen gerade vor einer ungemütlichen Kombination: Energiekosten, die sich seit 2022 kaum normalisiert haben, ein struktureller Fachkräftemangel, der sich durch den demografischen Wandel verschärft, und ein Buchungsmarkt, der zunehmend von großen OTAs und Ketten dominiert wird. Wer allein kämpft, verliert schnell den Anschluss.
Genau hier setzt das Modell der Hotelkooperation an. Ringhotels – seit Jahrzehnten eine der bekanntesten deutschen Kooperationen für Privathotels – befindet sich unter Petra Weindl im Umbruch. Neue Wege, aber mit klarem Blick auf das, was die Mitglieder wirklich brauchen.
- Einer der ältesten deutschen Hotelkooperationsverbände für inhabergeführte Häuser
- Positionierung: traditionelle Gastlichkeit, regionale Prägung, authentische Gastgeber
- Fokus: Deutschland – mit perspektivischer Offenheit für Österreich und Schweiz
- Strategische Neuausrichtung unter Petra Weindl, vorgestellt auf den ThemenTagen im Ringhotel Winzerhof, Rauenberg
- Mitglieder profitieren von gemeinsamen Buchungskanälen, Einkaufsvorteilen und Digitalisierungs-Support
Kooperation als Schutzschild – nicht als Einheitsbrei
Das Missverständnis hält sich hartnäckig: Wer einer Kooperation beitritt, gibt Eigenständigkeit ab. Weindl dreht diesen Gedanken um. Inhabergeführte Hotels behalten ihren Charakter, ihre Geschichte, ihre Gastgeberpersönlichkeit – die Kooperation liefert das Fundament, auf dem das alles erst tragfähig wird.
Konkret heißt das: gemeinsame Sichtbarkeit auf Buchungsplattformen, gebündelter Einkauf bei Dienstleistern, geteiltes Know-how bei Digitalisierungsfragen und ein Netzwerk, das gegenseitige Unterstützung möglich macht. Was ein Einzelhotel mit 30 oder 50 Zimmern nicht allein stemmen kann – Verhandlungsmacht gegenüber OTAs, professionelles Revenue Management, internationale Marketingpräsenz – das wird im Verbund realisierbar.
International sichtbar bleiben ohne Konzernbudget
Gäste aus der Schweiz, aus Österreich, aus den Niederlanden oder Skandinavien buchen heute anders als vor zehn Jahren. Wer nicht auf den relevanten Plattformen präsent ist, existiert für diese Zielgruppen schlicht nicht. Für ein inhabergeführtes Haus ist der Aufwand, das allein zu managen, enorm.
Ringhotels adressiert genau das: gebündelte Buchbarkeit, einheitliche Qualitätssignale nach außen und ein gemeinsamer Markenauftritt, der das individuelle Hotel sichtbarer macht – nicht unsichtbarer. Weindl richtet den strategischen Fokus klar auf den deutschen Markt, schließt aber eine Ausdehnung in die Schweiz und nach Österreich perspektivisch ausdrücklich nicht aus.
- Gemeinsamer Auftritt auf internationalen Buchungsplattformen
- Einheitliche Qualitätsstandards erhöhen die Glaubwürdigkeit nach außen
- Kooperations-Marketing erreicht Zielgruppen, die ein Einzelhaus nicht ansprechen kann
- Synergien bei Messe-Auftritten und Pressearbeit
- Empfehlungsverkehr zwischen Mitgliedshäusern (Cross-Selling im Netzwerk)
Digitalisierung – pragmatisch, nicht dogmatisch
Die Digitalisierungsdebatte in der Hotellerie krankt oft daran, dass sie zu abstrakt geführt wird. KI hier, Automatisierung da – und am Ende fragt sich der Hotelier mit 40 Zimmern in der Eifel, was das konkret mit seinem Alltag zu tun hat.
Weindls Ansatz ist ein anderer: Digitalisierung muss entlasten, nicht überfordern. Welche Tools helfen bei der Buchungsabwicklung? Wo spart Automatisierung echte Arbeitsstunden? Was lässt sich zentral über die Kooperation bereitstellen, damit einzelne Mitglieder nicht bei null anfangen müssen?
Wo Digitalisierung für Privathotels konkret wirkt
- Channel Manager: Automatische Verfügbarkeits-Synchronisation über alle Plattformen – verhindert Überbuchungen und spart tägliche Handarbeit
- Gästekommunikation: Automatisierte Pre-Stay- und Post-Stay-Mails erhöhen die Bewertungsquote ohne Mehraufwand
- Revenue Management: Dynamische Preisgestaltung, die auch kleine Häuser nutzen können – über Tools wie Duetto oder spezialisierte Lösungen für unabhängige Hotels
- Online-Reputation: Zentrales Bewertungsmanagement über Plattformen wie TrustYou spart Zeit und verbessert die Sichtbarkeit
Der Anspruch an Kooperationen hat sich verändert. Früher reichte ein gemeinsames Buchungsheft. Heute brauchen Mitglieder Unterstützung bei:
- OTA-Verhandlungen und Direktbuchungsstrategien
- Datenschutz-konformer digitaler Gästekommunikation
- Nachhaltigkeitszertifizierungen (z.B. für Businesskunden mit ESG-Anforderungen)
- Personalgewinnung und -bindung (Employer Branding als Kooperation)
- Weiterbildung und Wissenstransfer unter Mitgliedern
Zusammenhalt als strategischer Vorteil
Was Ringhotels von einem reinen Einkaufsverbund unterscheidet, ist der kulturelle Aspekt: Gastgeber, die sich kennen, sich vertrauen und voneinander lernen. Regelmäßige Treffen – wie die ThemenTage im Ringhotel Winzerhof in Rauenberg – sind kein Selbstzweck. Sie erzeugen genau das, was in der Privathotellerie oft fehlt: den Austausch unter Gleichgesinnten, die ähnliche Probleme haben und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Das ist schwer zu kopieren. Große Ketten haben Prozesse, Privathotels haben Persönlichkeit. Eine funktionierende Kooperation verbindet beides: die Schlagkraft des Netzwerks mit der Authentizität des Einzelhauses.
Authentizität lässt sich nicht skalieren – aber sie lässt sich schützen.Was bleibt, was sich ändert
Weindls Neuausrichtung bei Ringhotels ist kein Bruch mit der Vergangenheit. Die Werte – traditionelle Gastlichkeit, regionale Prägung, echter Gastgeberstolz – bleiben das Fundament. Was sich ändert, ist der Rahmen: mehr digitale Unterstützung, klarere Positionierung nach außen, stärkere Vernetzung nach innen.
Für inhabergeführte Hotels ist das eine realistische Perspektive. Wer glaubt, allein besser durch die nächsten Jahre zu kommen, unterschätzt, was der Markt gerade von kleinen Häusern verlangt. Wer dagegen die richtigen Partner findet, kann genau das bleiben, was Gäste an Privathotels schätzen: unverwechselbar, persönlich, wirklich gastfreundlich.

