Wer sich zum ersten Mal mit Hotel-Kennzahlen beschäftigt, stolpert über drei Abkürzungen, die fast gleich klingen und alle „pro verfügbares Zimmer" messen: RevPAR, TRevPAR und GOPPAR. Tatsächlich beantworten sie drei komplett unterschiedliche Fragen. Dieser Artikel erklärt den Unterschied mit Beispielen, Tabelle und einer klaren Entscheidungshilfe, wann du welche Kennzahl brauchst.
Kurzübersicht
RevPAR (Revenue per Available Room) misst den Zimmer-Umsatz pro verfügbarem Zimmer und Nacht. Nur Logis, nichts anderes.
TRevPAR (Total Revenue per Available Room) misst den Gesamt-Umsatz pro verfügbarem Zimmer und Nacht — inklusive F&B, Spa, MICE und sonstiger Nebenerlöse.
GOPPAR (Gross Operating Profit per Available Room) misst den operativen Gewinn pro verfügbarem Zimmer und Nacht — also Gesamtumsatz minus operative Kosten.
Die drei Kennzahlen im Direktvergleich
| ASPEKT | REVPAR | TREVPAR | GOPPAR |
|---|---|---|---|
| Misst | Zimmer-Umsatz | Gesamt-Umsatz | Gewinn |
| Formel | Zimmer-Umsatz ÷ (Zimmer × Tage) | Gesamt-Umsatz ÷ (Zimmer × Tage) | (Umsatz−Kosten) ÷ (Zimmer × Tage) |
| Inkludiert | nur Logis | Logis + F&B + Spa + MICE | alles, aber nach Kostenabzug |
| Messrhythmus | täglich | monatlich | monatlich |
| Typischer Nutzer | Revenue Manager | GM, Controller | GM, Eigentümer |
| Midscale-Benchmark | 55–90 € | 70–130 € | 25–55 € |
| Hauptnutzen | Pricing + Auslastung steuern | Nebengeschäft-Stärke zeigen | Profitabilität beurteilen |
Durchgerechnetes Beispiel: Vollservice-Stadthotel
Ein Haus mit 80 Zimmern über einen 30-Tage-Monat liefert folgende Zahlen:
- Zimmer-Umsatz: 220.000 €
- F&B-Umsatz: 110.000 €
- Spa-Umsatz: 35.000 €
- Sonstige Nebenerlöse: 15.000 €
- Gesamt-Umsatz: 380.000 €
- Operative Kosten: 270.000 €
Daraus ergibt sich:
- RevPAR: 220.000 € ÷ (80 × 30) = 91,67 €
- TRevPAR: 380.000 € ÷ (80 × 30) = 158,33 €
- GOPPAR: (380.000 − 270.000) ÷ (80 × 30) = 45,83 €
Alle drei Kennzahlen beschreiben dasselbe Haus im selben Zeitraum — und liefern doch sehr unterschiedliche Botschaften. RevPAR zeigt eine solide Logis-Performance, TRevPAR zeigt die F&B-Kraft, GOPPAR zeigt eine gesunde Marge.
Entscheidungshilfe: Wann brauchst du welche?
Brauche ich RevPAR? Immer, wenn es um die Zimmer-Pricing-Strategie geht. Tagesaktueller Wert, das wichtigste Steuerungsinstrument im Revenue Management.
Brauche ich TRevPAR? Wenn Nebengeschäft einen relevanten Anteil hat. Stadthotellerie mit reinem Logis-Geschäft kann sich TRevPAR oft sparen — bei Vollservice-Häusern, Resorts und MICE-Betrieben ist es Pflicht.
Brauche ich GOPPAR? Für Profitabilitäts-Entscheidungen, Investorenberichte und Kostencontrolling. Ein hoher RevPAR, der durch teures Geschäft erkauft wird, zeigt sich nur im GOPPAR. Monatlich oder quartalsweise reichen.
Häufige Verwechslungsfallen
- TRevPAR mit RevPAR verwechseln: Wenn Benchmarks zwischen Häusern verglichen werden, muss klar sein, welche Kennzahl gemeint ist. Die Zahlen unterscheiden sich oft um Faktor 1,5–2.
- GOPPAR ohne Kontext bewerten: Franchise-Fees, Managementverträge und Pachtverhältnisse verändern GOPPAR dramatisch. Einordnung nur mit Kenntnis des Betriebsmodells.
- TRevPAR als „besser" interpretieren: Ein höherer TRevPAR bedeutet nicht automatisch bessere Performance — wenn das F&B mit schlechter Marge umsatzfüllend wirkt, leidet der GOPPAR.
- Alle drei gleich gewichten: Für die tägliche Steuerung reicht RevPAR. TRevPAR und GOPPAR sind strategische Kennzahlen mit längerem Zeithorizont.
Weiterführende Ressourcen
Jede der drei Kennzahlen hat einen dedizierten Rechner mit Benchmarks, Rechenbeispielen und Hebeln:
- RevPAR-Rechner – inkl. Excel-Formel und NRevPAR-Variante
- TRevPAR-Rechner – mit F&B-Anteil-Analyse
- GOPPAR-Rechner – Profitabilität inkl. Franchise-vs-Eigentümer-Modell
- Hotel-KPI-Hub – alle KPIs im Überblick mit Entscheidungsbaum

