Riyadh Air hat Flüge zwischen Riad und London Heathrow still und leise über Online-Reiseagenturen buchbar gemacht – ohne jede offizielle Ankündigung. Skift hat eine Buchung bis zur Kreditkartenbelastung durchgeführt und eine echte PNR erhalten. Der Hintergrund: ein Vertriebstest vor dem eigentlichen Marktstart, der sich durch Flugzeuglieferverzögerungen verzögert hat.
Wer in den letzten Tagen auf Trip.com oder Skyscanner nach Flügen von Riad nach London suchte, stieß auf etwas Ungewöhnliches: Tickets für eine Airline, die offiziell noch gar keinen Ticketverkauf angekündigt hat. Riyadh Air – das bisher ambitionierteste Airline-Startup seit Jahren – ist buchbar. Einfach so.
Buchung funktioniert, PNR kommt per Mail
Das Branchenmedium Skift hat den Fund nicht nur dokumentiert, sondern auch verifiziert: Eine Buchung für den 5. Mai auf Trip.com wurde komplett abgeschlossen – inklusive Bezahlung. Innerhalb von 30 Minuten kam eine offizielle Passenger Name Record (PNR) per E-Mail, die Kreditkarte wurde belastet. Kein Display-Fehler, keine Test-Buchung – ein echter Kaufvorgang.
Gefunden wurden die Flüge unter den Flugnummern RX401 und RX402. Dieselben Nummern, die Riyadh Air bereits für seinen einladungsbasierten Operational-Readiness-Betrieb nutzte. Neben Trip.com tauchten die Verbindungen auch bei OTAs wie Fly Sharp, BudgetAir und Carlton Leisure auf.
- Eigentümer: Public Investment Fund (PIF) Saudi-Arabiens
- Erste Route: Riad (RUH) ↔ London Heathrow (LHR)
- Geplanter Soft-Launch: Oktober 2025 (verschoben)
- Zielgröße bis 2030: über 100 Destinationen weltweit
- Flotte: Boeing 787-9 Dreamliner + Airbus-Narrowbodies (Bestellvolumen ca. 40 Mrd. USD)
- Strategie: Digital-native Airline, kein Erbe aus Legacy-Systemen
Der leiseste Marktstart seit Jahren
Riyadh Air hat sich selbst als die digital ambitionierteste Airline-Gründung seit einer Generation positioniert. Die Ironie: Der erste echte Vertriebsschritt läuft über genau den Kanal, den etablierte Airlines seit Jahrzehnten nutzen – und den digitale Vorreiter eigentlich umgehen wollen. OTAs.
Dahinter steckt Kalkül, kein Versehen. Flugzeuglieferungen von Boeing verzögern sich branchenweit, Riyadh Air ist davon nicht ausgenommen. Der ursprünglich für Oktober 2025 geplante Soft-Launch für die Öffentlichkeit verschob sich. Jetzt testet die Airline ihren Distributions-Stack – also die Anbindung an GDS-Systeme, OTA-Schnittstellen und Drittanbieter-Integrationen – unter echten Bedingungen. Aber ohne Pressekonferenz.
Echter Buchungstest, echte PNR, echte Abbuchung – nur keine Pressemitteilung dazu.Vision 2030: Airline als Wirtschaftsprojekt
Riyadh Air ist kein gewöhnliches Airline-Startup. Es ist ein Kernstück von Saudi-Arabiens Vision 2030 – dem Programm, das die Volkswirtschaft des Königreichs weg vom Öl und hin zu Tourismus, Unterhaltung und Dienstleistungen transformieren soll. Die Airline soll dazu beitragen, Riad als internationalen Knotenpunkt zu etablieren und mehr ausländische Besucher ins Land zu bringen.
Bis 2030 sollen über 100 Destinationen angeflogen werden – in Asien, Afrika, Europa und den USA. Die Flotte besteht aus Boeing 787-9 Dreamlinern für Langstrecken sowie Airbus-Jets für kürzere Verbindungen. Das Bestellvolumen liegt laut Unternehmensangaben bei rund 40 Milliarden US-Dollar.
Was das für den Reisemarkt bedeutet
Für den europäischen Reisemarkt ist Riyadh Air ein neuer Wettbewerber auf der Langstrecke – mit staatlichem Rückenwind und dem klaren Ziel, nicht nur Saudis ins Ausland zu fliegen, sondern den globalen Transitmarkt aufzumischen. Riad soll Dubai und Doha als Hub-Konkurrenten herausfordern.
- Riyadh Air ist buchbar – über Trip.com und weitere OTAs
- Offizieller Starttermin für den öffentlichen Verkauf: noch nicht kommuniziert
- Flugzeuglieferprobleme verzögern den regulären Betrieb
- Erste Route: Riad – London Heathrow (RX401/RX402)
- Strategisches Ziel: Riad als globaler Aviation-Hub bis 2030
Wann kommt der offizielle Start?
Einen konkreten Termin für die öffentliche Markteinführung hat Riyadh Air bisher nicht kommuniziert. Die Airline hat sich auf Skift-Anfrage nicht geäußert. Klar ist: Das Buchungssystem läuft, die OTA-Anbindung funktioniert – und wer genau schaut, kann heute schon ein Ticket kaufen.
