Das Wichtigste in Kürze

Mecklenburg-Vorpommern zählte 2025 rund acht Millionen Urlauber und über 33 Millionen Übernachtungen – das zweitbeste Ergebnis der Landesgeschichte. Trotzdem verbucht die Branche das sechste Jahr in Folge ein Umsatzminus. Gestiegene Energie-, Personal- und Einkaufskosten sowie spürbare Kaufzurückhaltung bei Gästen drücken die Margen. Dazu kommt ein kompletter Neustart der Tourismuswerbung nach einem Subventionsbetrugs-Skandal.

Volle Strände, starke Buchungszahlen – und trotzdem rote Zahlen in der Kasse. Das ist die Lage, mit der Hotellerie und Gastronomie in Mecklenburg-Vorpommern gerade kämpfen. Bei einer Branchentagung in Warnemünde, zu der rund 200 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Tourismus zusammenkamen, wurde das Paradox offen diskutiert.

Mehr Gäste, weniger Umsatz

Die Zahlen klingen gut: Laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erreichte das Bundesland 2025 über 33 Millionen Übernachtungen bei rund acht Millionen Gästen – das zweitbeste Ergebnis, das MV je erzielt hat. Doch der DEHOGA-Landesverbandspräsident Lars Schwarz bremste die Euphorie: 2025 war das sechste Jahr in Folge mit einem Umsatzminus in der Branche.

Der Grund ist nicht schwer zu finden. Gäste kommen – aber sie geben weniger aus. „Gäste und Einheimische geben spürbar weniger Geld aus“, sagte Schwarz auf der Tagung. Kaufzurückhaltung und Konsumverzicht treffen Hotellerie und Gastronomie direkt: weniger Restaurantbesuche, kürzere Aufenthalte, günstigere Zimmer.

ZAHLEN & FAKTEN Tourismus Mecklenburg-Vorpommern 2025
~8 Mio.
Urlauber 2025
Zweitbestes Gäste-Ergebnis in der Geschichte des Bundeslandes.
33 Mio.+
Übernachtungen
Laut Ministerpräsidentin Schwesig das zweitbeste Ergebnis der Landesgeschichte.
6× in Folge
Umsatzminus
Seit Jahren sinkt der Branchenumsatz trotz stabiler Gästezahlen.
Seit 2020
160.000
Arbeitsplätze
So viele Jobs hängen laut Wirtschaftsministerium direkt am Tourismus in MV.
Quelle: Angaben laut Tophotel.de / Tagung Warnemünde, 2025

Kostendruck von allen Seiten

Der Umsatzrückgang trifft eine Branche, die ohnehin mit stark gestiegenen Kosten kämpft. Schwesig nannte drei Kostentreiber, die besonders Hotellerie und Gastronomie belasten:

  • Energiepreise – nach wie vor deutlich höher als vor 2022
  • Personalkosten – Mindestlohnerhöhungen und Fachkräftemangel treiben die Lohnkosten
  • Einkaufskosten – Lebensmittel und Verbrauchsmaterialien spürbar teurer

Gäste kommen also trotzdem – aber die Marge pro Gast schrumpft. Das ist das eigentliche Problem.

Sechs Jahre Umsatzminus bei stabilen Übernachtungszahlen: Das zeigt, dass Gästezahlen allein kein verlässlicher Indikator für die wirtschaftliche Gesundheit einer Destination sind.

Mehrwertsteuer: Dauerthema Gastronomie

Ein konkreter politischer Hebel ist die Mehrwertsteuer auf Speisen. Schwarz bedankte sich bei Schwesig, dass sie sich im Bundesrat für eine Absenkung auf sieben Prozent starkgemacht habe. Die Gastronomie hatte diesen Steuersatz während der Corona-Pandemie als Entlastungsmaßnahme bekommen – und verlor ihn Ende 2023 wieder. Seitdem gilt wieder der volle Satz von 19 Prozent, was viele Betriebe zusätzlich belastet.

Ob eine erneute Absenkung auf Bundesebene kommt, ist offen. Die Landesebene allein hat hier wenig Spielraum.

Neuer Start nach Verbandsaffäre

Neben dem wirtschaftlichen Druck hat MV auch institutional Ordnung zu schaffen. Der bisherige Tourismusverband MV geriet 2025 in schweres Fahrwasser: Strafanzeige, Hausdurchsuchung, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug. Die Finanzierung stand zeitweise auf der Kippe.

Die Antwort: ein kompletter Neustart. Mit der MV Tourismus GmbH gründete das Land eine neue landeseigene Gesellschaft, die die Tourismuswerbung übernimmt. Geschäftsführer Peter Kranz betonte bei der Tagung: „Der Tourismus in MV – das sind nicht nur Zahlen, das ist erlebbare Qualität. Wir arbeiten daran, dass diese Qualität weiterentwickelt und noch besser bekannt wird.“

MV Tourismus GmbH: Was steckt dahinter?

Die landeseigene GmbH löste 2024/2025 den bisherigen Tourismusverband MV ab, der wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug unter Beschuss geraten war. Die neue Gesellschaft übernimmt die Außendarstellung und Tourismuswerbung für das gesamte Bundesland. Ziel: stabilere Finanzierung, klarere Strukturen und mehr Kontrolle durch das Land.

Was das für Betriebe bedeutet

Für Hoteliers und Gastronomen in MV bleibt die Lage angespannt. Die Kernfrage lautet: Wie lässt sich der durchschnittliche Ausgabebetrag pro Gast steigern, wenn die Kauflaune gedrückt ist? Einige Ansätze, die in der Branche diskutiert werden:

  • Qualitäts-Positionierung statt Preiskampf – höherwertige Angebote für zahlungsbereite Gäste
  • Cross-Selling bei Check-in und im Aufenthalt – Spa, Ausflüge, Events aktiv anbieten
  • Kostenkontrolle ohne Qualitätsverlust – besonders im F&B-Bereich Wareneinsatz optimieren
  • Digitalisierung nutzen – Buchungsprozesse automatisieren, Personalkosten senken
  • Regionale Kooperationen – gemeinsam Pakete schnüren und Marketingkosten teilen

Die gute Nachricht: MV zieht weiterhin Millionen Menschen an. Fast 2.000 Kilometer Ostseeküste, über 2.000 Seen und eine wachsende Zahl an Kulturveranstaltungen – darunter die SailGP in Sassnitz – sind starke Argumente. Das Potenzial ist da. Ob die 160.000 Arbeitsplätze, die am Tourismus hängen, langfristig gesichert bleiben, hängt aber nicht nur von Gästezahlen ab – sondern davon, ob aus Ankünften auch echte Umsätze werden.

HÄUFIGE FRAGEN

Wie viele Übernachtungen zählte Mecklenburg-Vorpommern 2025?

Laut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erreichte MV 2025 über 33 Millionen Übernachtungen bei rund acht Millionen Gästen – das zweitbeste Ergebnis der Landesgeschichte.

Warum hat die Tourismusbranche in MV trotz guter Gästezahlen Umsatzprobleme?

2025 war das sechste Jahr in Folge mit einem Umsatzminus. Gäste kommen zwar, geben aber spürbar weniger Geld aus. Dazu kommen stark gestiegene Energie-, Personal- und Einkaufskosten, die die Margen der Betriebe drücken.

Was ist die MV Tourismus GmbH und warum wurde sie gegründet?

Die landeseigene GmbH übernahm die Tourismuswerbung für Mecklenburg-Vorpommern, nachdem der bisherige Tourismusverband MV 2025 wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen konfrontiert wurde. Die neue Gesellschaft soll stabile Strukturen und klarere Finanzierung sichern.

Wie viele Arbeitsplätze hängen am Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern?

Laut dem Wirtschaftsministerium des Landes entfallen rund 160.000 Arbeitsplätze auf den Tourismusbereich.

Was fordert die Gastronomie in MV in Sachen Mehrwertsteuer?

Der DEHOGA-Landesverbandspräsident Lars Schwarz bedankte sich bei Schwesig dafür, dass sie sich im Bundesrat für eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent starkgemacht hat. Seit Ende 2023 gilt wieder der volle Satz von 19 Prozent.
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