AirAsia hat 150 Airbus A220-300 fest bestellt – 19 Milliarden US-Dollar, größter Einzelauftrag in der Programmgeschichte. Die Unterzeichnung fand am 6. Mai 2026 in Mirabel, Quebec statt. Damit übersteigt das Gesamtauftragsvolumen des A220 erstmals die Marke von 1.000 Maschinen.
Die Nachricht kam aus Kanada, nicht aus Dubai oder Paris: AirAsia hat beim Airbus-Montagewerk in Mirabel, Quebec einen Deal abgeschlossen, der das A220-Programm auf einen Schlag verändert. 150 Maschinen vom Typ A220-300, Listenpreis rund 19 Milliarden US-Dollar – kein anderer Käufer hat je mehr Jets dieses Typs auf einmal bestellt.
Zum Vergleich: Delta Air Lines und JetBlue hatten jeweils 100 A220 geordert – das galt bislang als Benchmark. AirAsia übertrifft beide in einem Zug.
Warum gerade das A220-300?
Das A220-300 ist kein direkter Konkurrent zum A320neo – es sitzt eine Klasse darunter. In der neuen Kabinenkonfiguration, die AirAsia als Launch Customer einführt, fasst die Maschine 160 Passagiere. Das schließt eine Lücke, die viele Billigflieger in Asien kennen: Zu viele Routen haben zu wenig Nachfrage für einen A320, aber zu viel für eine Turboprop oder eine kleine E-Jet-Konfiguration.
AirAsia setzt auf Kraftstoffeffizienz, passende Kapazität und Reichweite, um Margen auf dünn besiedelten Strecken zu verbessern und gleichzeitig die Flotte zu vereinfachen. Deliveries starten 2028.
- Käufer: AirAsia (Capital A)
- Flugzeugtyp: Airbus A220-300
- Anzahl: 150 Maschinen (fest)
- Volumen: ca. 19 Milliarden US-Dollar (Listenpreis)
- Unterzeichnung: 6. Mai 2026, Mirabel, Quebec
- Erste Auslieferung: ab 2028
- Besonderheit: Launch Customer für neue 160-Sitz-Konfiguration
- A220-Auftragsgesamt: erstmals über 1.000 Maschinen
Tony Fernandes macht Druck auf Airbus
Capital-A-CEO Tony Fernandes war eigens nach Quebec geflogen, um den Vertrag zu unterzeichnen – und nutzte die Bühne für eine öffentliche Ansage an Airbus-Commercial-Chef Lars Wagner. Sein Wunsch: eine gestreckte Variante, intern als A220-500 bekannt, mit rund 180 bis 185 Sitzen.
„We really hope that you will build the A220-500, which is 185 seats. That's the aircraft we really want. If they build that aircraft, AirAsia will buy another 150 of these aircraft as well.“
– Tony Fernandes, CEO Capital A, bei der Unterzeichnung in Mirabel
Ein zweiter Auftrag über weitere 150 Maschinen – das wäre ein weiterer 19-Milliarden-Deal. Ob Airbus die A220-500 tatsächlich entwickelt, ist offen. Das Programm kämpfte in den letzten Jahren mit Triebwerksproblemen beim Pratt-&-Whitney-GTF-Antrieb und schleppenden Verkaufszahlen außerhalb Nordamerikas.
Embraer verliert, A220 gewinnt
Fernandes bestätigte, dass AirAsia sich bewusst gegen Embraer und die E2-Familie entschieden hat. Die Verhandlungen mit Airbus dauerten rund ein Jahr. Was den Ausschlag gab, ließ er offen – aber die Entscheidung ist eindeutig: Für Südostasien setzt AirAsia künftig auf ein Zweihersteller-Portfolio aus A320-Familie und A220.
A220-300 vs. A320neo – was passt wann?
A220-300 (160 Sitze)
- Dünn besiedelte Strecken mit 100–160 Pax Nachfrage
- Geringerer Kraftstoffverbrauch pro Sitz auf kurzen Strecken
- Mehr Reichweite als ältere Regionalflugzeuge
- Neue 160-Sitz-Konfiguration ab 2028 serienmäßig
A320neo (180–194 Sitze)
- Mehr Kapazität auf Hauptrouten mit hoher Auslastung
- Etabliertes MRO-Netz in ganz Asien
- Niedrigere Stückkosten bei hoher Auslastung
- Bereits Rückgrat der bestehenden AirAsia-Flotte
Was das für den A220 bedeutet
Das Programm hatte es schwer. Triebwerksprobleme mit dem Pratt-&-Whitney-GTF-Antrieb zwangen Airlines zeitweise zu Flottenstillständen, die Verkaufspipeline außerhalb der USA stockte. Mit AirAsia als neuem Anker-Kunden ändert sich die Wahrnehmung.
Über 1.000 Festbestellungen – diese Schwelle hat das A220-Programm laut Skift mit diesem Deal erstmals überschritten. Zum Vergleich: Die A320-Familie steht bei mehreren Tausend ausstehenden Aufträgen. Das A220 ist noch weit davon entfernt – aber ein Südostasien-Leitanbieter als Großkunde ist genau das, was das Programm gebraucht hat.
Alle 150 Maschinen werden im Airbus-Werk in Mirabel, Quebec montiert – das sichert Jobs in Kanada und dürfte politisch willkommen sein.

