Der Hotelverband Deutschland (IHA) hat seinen Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2026“ veröffentlicht. Das Fazit ist zweiteilig: Rekordübernachtungen 2025 auf der einen Seite, massiv steigende Insolvenzzahlen und sinkende Zimmerpreise auf der anderen. Die Nachfrage zieht an – die Wirtschaftlichkeit der Betriebe aber nicht mit.
Übernachtungen auf Rekordniveau
2025 war ein starkes Jahr für die deutsche Hotellerie, zumindest was die Nachfrageseite betrifft. Der IHA-Report meldet Rekordzahlen bei den Übernachtungen. Gäste kommen – und das auch im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie. Das klingt gut. Ist es aber nur halb so.
Denn hinter den Übernachtungszahlen steckt ein strukturelles Problem, das sich in den Bilanzen der Betriebe niederschlägt: Die Zimmerpreise geben nach, die Kosten steigen. Was bleibt, ist eine Marge unter Druck.
- Titel: „Hotelmarkt Deutschland 2026“ – bereits die 24. Ausgabe des Standardwerks
- Herausgeber: Hotelverband Deutschland (IHA)
- Inhalt: Konjunkturelle Entwicklung, Kennziffern und Analysen für das Jahr 2024/2025
- Rekordwert: Übernachtungszahlen 2025 auf neuem Höchststand
- Warnsignal: Massiver Anstieg der Insolvenzen, sinkende Zimmerpreise
- IHA-Mitglieder: Digitale Version kostenlos im Extranet des Verbands verfügbar
Insolvenzen: Der Report warnt deutlich
Der IHA schlägt Alarm. Trotz voller Häuser und starker Nachfrage steigt die Zahl der Insolvenzen im Beherbergungsgewerbe massiv an. Das ist kein Widerspruch – es ist die Realität einer Branche, in der hohe Auslastung nicht automatisch in Profitabilität übersetzt.
Volle Häuser, leere Kassen – so lässt sich die aktuelle Lage vieler Betriebe zusammenfassen.Warum? Die Kostenseite hat sich in den vergangenen Jahren strukturell verschoben: Personalkosten, Energiepreise, Lebensmittel, Schuldendienst für Modernisierungen – all das drückt auf den GOP. Gleichzeitig lassen sich die gestiegenen Kosten nicht vollständig über die Zimmerpreise weitergeben, weil der Markt preissensitiv reagiert.
Was hinter den sinkenden Zimmerpreisen steckt
Sinkende Zimmerpreise in einer Phase hoher Nachfrage – das klingt paradox, ist aber erklärbar. Der Wettbewerbsdruck durch OTAs, Short-Term-Rental-Plattformen und neue Budget-Angebote hält die Preise in bestimmten Segmenten unten. Wer nicht aktiv Revenue Management betreibt, verliert Marge still und leise.
Strukturelle Herausforderungen: Was den Betrieben zu schaffen macht
- Gestiegene Personalkosten durch Mindestlohn-Erhöhungen und Fachkräftemangel
- Energiekosten weiterhin auf hohem Niveau
- Investitionsstau bei Modernisierungen – besonders im Mittelstand
- Steigende Insolvenzquote trotz Nachfrage-Rekord
- OTA-Abhängigkeit drückt Direktbuchungsquote und Marge
- Sinkende Zimmerpreise in preissensitiven Segmenten
Was der Report für die Branchenpolitik bedeutet
Der IHA-Report ist kein reines Datenbuch – er ist auch ein politisches Dokument. Die Zahlen zu Insolvenzen und Margendruck dienen dem Verband als Grundlage für seine Forderungen gegenüber der Politik: Entlastungen bei den Lohnnebenkosten, eine wettbewerbsfähige Umsatzsteuerpolitik für das Gastgewerbe und weniger Bürokratie.
Das ist kein neues Thema, gewinnt aber mit konkreten Insolvenzzahlen an Gewicht. Zahlen schlagen Stimmungsberichte.
Hotellerie 2026 – wo es läuft, wo es klemmt
Positiv
- Übernachtungen auf Rekordniveau 2025
- Stabile Nachfrage, auch aus dem Ausland
- Widerstandsfähigkeit der Branche bestätigt
- Strategisches Datenfundament durch IHA-Report
Kritisch
- Insolvenzzahlen steigen massiv
- Zimmerpreise geben nach
- Kostenstruktur unter dauerhaftem Druck
- Margendruck trotz hoher Auslastung
Einordnung: Was jetzt zählt
Der IHA-Report zeigt eine Branche im Spagat. Die Nachfrage stimmt – das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Volle Betten allein reichen nicht. Wer in diesem Umfeld überleben will, braucht scharfes Cost-Controlling, aktives Revenue Management und einen klaren Blick auf die eigene Kostenstruktur.
Die Insolvenzzahlen sind ein Frühwarnsignal, das man ernst nehmen sollte. Nicht als Katastrophenmeldung – sondern als Aufforderung, die eigenen Zahlen zu kennen und zu steuern. Der Report liefert dafür die Branchenreferenz.

