Marriott meldet für das erste Quartal 2026 eine breitere Erholung des US-Hotelmarkts: Select-Service-Hotels verzeichnen +3,5 % RevPAR – ein deutlicher Schwenk nach einem Rückgang von über 1 % im Vorquartal. Luxus- und Resort-Hotels wachsen weiter mit rund 7 %. Gleichzeitig bremst der Nahe Osten das globale Ergebnis stärker als erwartet.
Die US-Hotellerie sieht besser aus als die allgemeine Stimmungslage vermuten lässt – zumindest für Marriott. Das größte Hotelunternehmen der Welt meldet für Q1 2026 eine Nachfrage, die sich von der Luxusschiene löst und breitere Schichten erreicht. Wer bisher auf ein rein zweigeteiltes Marktbild gesetzt hat, muss nachbessern.
K-förmige Wirtschaft – aber die Kurve flacht ab
Die Branche sprach monatelang von einer K-Wirtschaft: oben die Luxusreisenden mit stabiler Nachfrage, unten die preissensibleren Segmente unter Druck. Dieses Bild stimmt so nicht mehr ganz. Marriotts Select-Service-Segment – also Häuser der Mittelklasse ohne großen F&B-Aufwand – wuchs im ersten Quartal um 3,5 % RevPAR. Nach einem Minus von über 1 % in Q4 2025 ist das ein klarer Richtungswechsel.
Luxury und Resort bleiben weiter vorne: Rund 7 % RevPAR-Wachstum im US-Kanada-Raum. Aber der Abstand zum Rest des Portfolios schrumpft. Das spricht nicht für eine Abschwächung oben – sondern für eine Erholung weiter unten.
- Luxury & Resort: ca. +7 % RevPAR (Fortsetzung des Wachstumstrends)
- Select-Service: +3,5 % RevPAR (nach −1 % in Q4 2025)
- Treiber: Verlagerung von Flug- zu Autoreisen, steigende Kerosinpreise
- Quelle: Marriott Q1 2026 Earnings Call, laut Skift
Autofahren statt Fliegen: Das verschiebt die Karte
CEO Anthony Capuano benennt den Hauptgrund direkt: steigende Kerosinpreise treiben Flugtickets nach oben, und Reisende weichen auf Autostrecken aus. "You are seeing some pivot to drive-to destinations versus fly-to destinations, given the impact of rising fuel prices on airline fares", sagte Capuano im Earnings Call.
Das ist keine Randnotiz. Drive-to-Destinationen sind das klassische Terrain der Select-Service-Häuser – Roadside, Suburban, kleinere Städte. Wenn Familien lieber ins Auto steigen als zum Gate, landen sie dort. Das erklärt den Rebound im Mittelklasse-Segment besser als jeder Konjunkturindikator.
Naher Osten: Mehr als ein regionaler Dämpfer
Auf der anderen Seite des globalen Portfolios wird der Gegenwind stärker. Der Nahe Osten belastet Marriotts Zahlen – und das nicht nur lokal. Konflikte in der Region drücken den RevPAR dort erheblich, und der Effekt strahlt auf angrenzende Märkte aus.
Für ein Unternehmen mit über 9.000 Hotels weltweit ist das strukturell relevant. Selbst wenn die USA gut laufen, kann eine Region wie der Nahe Osten – mit hohen Durchschnittsraten und starker Geschäftsreisenden-Basis – das Gesamtbild merklich trüben.
- RevPAR im Nahen Osten signifikant unter Druck durch anhaltende Konflikte
- Spillover-Effekte in Nachbarmärkten bestätigt
- Marriott hat angesichts globaler Unsicherheiten die Jahresprognose für Umsatzwachstum zunächst angehoben – laut Reuters –, musste aber zuletzt auch Kürzungen kommunizieren
- Weltmeisterschaft 2026 gilt als potenzieller Puffer für das Gesamtjahr
Digitalisierung: KI-Suche und Co-Branded Cards
Neben den Marktdaten gibt es operative Signale, die langfristig mindestens genauso relevant sind. Marriott treibt zwei Initiativen voran, die direkt auf Buchungsverhalten und Kundenbindung einzahlen.
KI-gestützte Suche
Das Unternehmen investiert in KI-gestützte Suchfunktionen – konkret heißt das: bessere Intent-Erkennung auf der eigenen Booking-Plattform, weniger Abhängigkeit von OTAs. Wer Direktbuchungen steigern will, muss die eigene digitale Erfahrung konkurrenzfähig machen. Marriott bewegt sich in diese Richtung.
Co-Branded Credit Cards
Das Co-Branded-Kreditkartenprogramm – Marriott Bonvoy-Karten über Partnerbanken – wird global ausgebaut. Das sind keine Randprodukte: Sie binden Vielreisende, sichern Vorab-Umsatz durch Jahresgebühren und generieren Datenpunkte für personalisiertes Marketing. Für Marriott sind diese Karten ein direkter Hebel auf Loyalität und Nebenumsatz.
Was das für die Branche bedeutet
Marriotts Zahlen sind kein Einzelfall – sie sind ein Stimmungsbarometer für die gesamte Hotellerie. Wenn das größte Hotelunternehmen der Welt meldet, dass der Mittelklasse-Markt dreht, dann ist das ein Signal für alle, die in diesem Segment operieren.
- Select-Service-Häuser sollten Revenue-Strategien für Drive-to-Gäste schärfen
- Pricing in Autobahnkorridoren und Suburban-Lagen neu bewerten
- Direkte Buchungskanäle stärken – die KI-Investitionen der Ketten setzen den Standard
- Naher Osten im globalen Risikomanagement höher gewichten
- Loyalitätsprogramme und Co-Branded-Produkte als Umsatzhebel ernst nehmen
Der Markt ist nicht K-förmig verschwunden – aber er ist in Bewegung. Wer jetzt nur auf Luxus setzt, übersieht, wo die nächste Welle rollt.

