Das Wichtigste in Kürze

Online Travel Agencies wie Booking.com oder Expedia sind für die meisten Hotels unverzichtbare Distributionskanäle – aber sie kosten. Provisionen zwischen 15 und 25 Prozent pro Buchung fressen direkt in die Marge. Wer die drei zentralen OTA-Geschäftsmodelle kennt, kann seine Vertriebsstrategie gezielter steuern und mehr Buchungen direkt gewinnen.

Kein Hotelier liebt OTAs. Kaum einer kommt ohne sie aus. Das Verhältnis zwischen Hotels und Online-Reisebüros ist seit Jahren dasselbe: gegenseitige Abhängigkeit mit deutlichem Machtgefälle auf Seiten der Plattformen. Aber wer versteht, wie das Geschäftsmodell dahinter funktioniert, kann die Beziehung zu seinen Gunsten gestalten.

Die drei OTA-Geschäftsmodelle im Überblick

Nicht alle OTAs arbeiten gleich. Im Kern gibt es drei Modelle – jedes mit anderen Konsequenzen für dich als Hotelier.

1. Das Merchant-Modell (Net-Rate)

Hier kauft die OTA deine Zimmer zu einem reduzierten Nettopreis ein und verkauft sie mit eigener Marge weiter. Du siehst nie den tatsächlichen Endpreis. Booking.com, Hotels.com und Priceline arbeiten teilweise nach diesem Prinzip. Der Vorteil: Du kennst deine Einnahme pro Zimmer im Voraus. Der Nachteil: Du verlierst die Kontrolle über deinen Marktpreis.

2. Das Agentur-Modell (Kommission)

Du behältst die Preishoheit, zahlst aber eine Provision auf jede vermittelte Buchung – in der Regel zwischen 15 und 25 Prozent des Zimmerpreises. Expedia und Orbitz nutzen dieses Modell. Hier ist dein Risiko geringer, aber bei hohem OTA-Volumen summieren sich die Kosten schnell auf einen spürbaren Anteil deines Umsatzes.

3. Das Metasearch- und Advertising-Modell

Plattformen wie Kayak, Skyscanner und Google Hotel Ads aggregieren Angebote und leiten Nutzer zur Buchung weiter – entweder direkt auf deine Website oder zu einer buchenden OTA. TripAdvisor arbeitet zusätzlich mit einem Werbemodell. Du zahlst hier häufig Cost-per-Click statt Provision. Das kann günstiger sein – oder teurer, wenn die Conversion schwach ist.

ZAHLEN & FAKTEN OTAs und ihre Marktmacht
15–25 %
Provision pro Buchung
Typische Kommissionsspanne bei Booking.com und Expedia im Agentur-Modell.
2
Dominante Player
Booking Holdings und Expedia Group kontrollieren den Großteil des globalen OTA-Marktes.
3 Modelle
Geschäftsmodelle
Merchant, Agentur und Metasearch/Advertising – mit je unterschiedlichen Kostenstrukturen für Hotels.
Quellen: Branchenübliche Provisionsspannen laut Expedia Group und Booking.com Partnerprogrammen

Booking.com vs. Expedia: Die zwei Schwergewichte

Fast jede Diskussion über OTAs endet bei diesen beiden. Booking Holdings (Mutterfirma von Booking.com, Priceline, Kayak und Agoda) und die Expedia Group (mit Expedia, Hotels.com, Vrbo und Orbitz) teilen sich den Löwenanteil des globalen Online-Reisemarktes.

Für dich als Hotelier bedeutet das: Du verhandelst nicht mit einer OTA, du verhandelst mit einem Oligopol. Die Konditionen sind selten wirklich verhandelbar – besonders für kleinere Häuser ohne starke Marke oder hohe Zimmerkapazität.

Booking.com vs. Expedia
Booking.com
Expedia
Hauptmodell
Merchant + AgenturHybrides Modell je nach Markt
Agentur-ModellKommission auf Endpreis
Provision
ab 15 %Je nach Sichtbarkeits-Programm
15–25 %Variiert nach Produkt-Paket
Kundendaten
EingeschränktE-Mail erst nach Einbuchung sichtbar
EingeschränktKontaktdaten via Extranet
Quelle: Expedia Group und Booking.com Partnerprogramme, Stand 2025

Das eigentliche Problem: Kundendaten gehören der OTA

Provisionen sind schmerzhaft, aber kalkulierbar. Das strukturelle Problem ist ein anderes: Wer über eine OTA bucht, ist zunächst Kunde der OTA – nicht deines Hotels. Kontaktdaten kommen verzögert, Gästepräferenzen landen im System der Plattform, die Wiederbuchungswahrscheinlichkeit über die OTA steigt.

Langfristig baust du so keine eigene Gästebasis auf. Du bewirtschaftest den Kundenstamm einer anderen Firma.

Der OTA-Teufelskreis – und wie du rauskommst
  • Hohe OTA-Abhängigkeit → wenig Direktbuchungen → wenig Gästedaten → schwaches CRM → noch mehr OTA-Buchungen nötig
  • Gegenstrategie: Direktbuchungs-Anreize schaffen (exklusives Upgrade, flexibles Storno, Frühstücks-Inklusive)
  • Best Available Rate (BAR) paritätisch halten, aber Mehrwerte nur direkt anbieten – das ist in vielen OTA-Verträgen erlaubt
  • Gäste nach Check-in aktiv auf den Direktkanal hinweisen: Newsletter, Loyalty-Programm, nächste Buchung direkt belohnen
  • Google Hotel Ads als kosteneffizienteren Kanal testen – dort zahlst du CPC, keine Provision

Metasearch als Mittelweg

Google Hotel Ads, Kayak und Trivago funktionieren anders als klassische OTAs. Du schaltest deine eigene Website als buchbare Option direkt neben den OTA-Angeboten – und zahlst nur, wenn jemand klickt oder bucht. Kein Zwischenhändler, kein Provisionsschnitt auf den Zimmerpreis.

Der Haken: Du brauchst eine solide Booking Engine auf deiner Website, ein anständiges Rate-Management und etwas Budget für die Gebote. Für Häuser ohne eigenes Revenue-Team ist der Einstieg aufwendig. Für alle anderen ist es oft die günstigste bezahlte Sichtbarkeit, die der Markt bietet.

Cost-per-Acquisition vergleichen – das ist die Kennzahl, die zählt. Nicht die Provisionsrate allein, sondern was eine Buchung über jeden Kanal wirklich kostet, inklusive internem Aufwand.

Wie du deine OTA-Strategie konkret aufstellst

Schritt 1: Kanalanalyse machen

Welcher Anteil deines Umsatzes kommt über welchen Kanal? Welche OTA liefert Gäste mit dem höchsten RevPAR, der kürzesten Aufenthaltsdauer, der schlechtesten Wiederbuchungsrate? Dein PMS-Reporting gibt dir diese Zahlen – wenn du es richtig konfiguriert hast.

Schritt 2: Rate Parity verstehen

Viele OTA-Verträge enthalten Paritätsklauseln – du darfst auf anderen Kanälen keinen günstigeren Preis anbieten. Enge Paritätsklauseln sind in mehreren EU-Ländern kartellrechtlich unter Druck geraten. In Deutschland hat das Bundeskartellamt Booking.com bereits 2015 zur Aufgabe weiter Paritätsklauseln verpflichtet. Das gibt dir Spielraum für Direktbuchungs-Konditionen, die nicht über den Preis, sondern über Mehrwerte funktionieren.

Schritt 3: Direktbuchung aktiv bewerben

Deine Website, dein Google Business Profile, dein Newsletter – das sind deine Kanäle ohne Provision. Wer hier investiert, senkt mittelfristig den OTA-Anteil. Eine einfache Maßnahme: auf der Bestätigungsseite nach OTA-Buchungen (soweit technisch möglich) oder im Pre-Stay-Mail auf den Direktkanal für die nächste Reise hinweisen.

Buchungsprozess Wie eine OTA-Buchung wirklich läuft
Gast sucht
Booking.com, Expedia oder Google Hotel Ads
Buchung
OTA verarbeitet Zahlung, behält Provision
PMS-Eintrag
Reservation landet im Hotel-System
Check-in
Erstkontakt mit Gast — Chance für Direktbindung
Typischer OTA-zu-PMS-Datenfluss über Channel Manager

Die wichtigsten OTAs und ihre Nischen

Nicht jede OTA passt zu jedem Hotel. Hier ein Überblick der relevantesten Plattformen und wo sie ihre Stärken haben:

  • Booking.com – breiteste globale Reichweite, stark in Europa und Asien, Pflichtkanal für die meisten Hotels
  • Expedia / Hotels.com – stark im nordamerikanischen Markt und bei Pauschalreisenden
  • Airbnb – primär für Apartments und Boutique-Häuser mit eigenem Charakter, zunehmend auch klassische Hotels
  • Kayak / Trivago – Metasearch, kein Buchungssystem, aber starke Preisvergleichsfunktion
  • Google Hotel Ads – direkte Konkurrenz zur OTA auf der Ergebnisseite, ermöglicht Direktbuchungen ohne Provision
  • Skyscanner – primär Flüge, aber zunehmend Hotelbuchungen, stark bei preissensiblen Reisenden
  • HRS / hotel.de – Nische: Geschäftsreisende, Firmenkunden, besonders relevant für Stadthotels
Redaktions-Tipp: Fang nicht mit allen OTAs gleichzeitig an. Wähle zwei oder drei Kanäle, die zu deinem Gästeprofil passen, und optimiere dort zuerst Fotos, Beschreibung und Bewertungsmanagement – bevor du weitere Plattformen hinzufügst.

Fazit: OTAs nutzen, aber nicht abhängig werden

OTAs sind kein Feind – sie bringen Reichweite, die kein Einzelhotel allein aufbauen kann. Aber die Kosten dafür sind real: Provision, Datenverlust, Markenverwässerung. Die klügste Strategie ist keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern ein bewusstes Mix-Management. OTAs für die Grundauslastung und neue Märkte, Direktkanäle für Stammgäste und Margenstabilisierung.

Wer seinen Expedia-Partnerstatus oder sein Booking.com-Extranet bisher nur zum Preise-Einstellen nutzt, lässt Optimierungspotenzial liegen. Beide Plattformen bieten Analytics, Sichtbarkeitsprogramme und Preferred-Partner-Status, die gezielt eingesetzt die Kostenstruktur verbessern können.

HÄUFIGE FRAGEN

Was ist der Unterschied zwischen dem Merchant- und dem Agentur-Modell bei OTAs?

Beim Merchant-Modell kauft die OTA deine Zimmer zu einem Nettopreis ein und verkauft sie mit eigener Marge. Beim Agentur-Modell behältst du die Preishoheit und zahlst eine Provision – meist 15 bis 25 Prozent – auf jede vermittelte Buchung.

Wie hoch sind die Provisionen bei Booking.com und Expedia?

Die Provision liegt je nach Vertrag und Sichtbarkeitsprogramm bei rund 15 bis 25 Prozent des Zimmerpreises. Booking.com startet oft bei 15 Prozent, Expedia variiert stärker je nach Produkt-Paket.

Kann ich auf meiner eigenen Website günstigere Preise anbieten als auf OTAs?

Das hängt vom Vertragstyp ab. Enge Paritätsklauseln, die günstigere Direktpreise verbieten, sind in Deutschland seit 2015 kartellrechtlich eingeschränkt. Du kannst Mehrwerte wie Frühstück oder flexible Stornierung exklusiv für Direktbucher anbieten – das ist in den meisten Verträgen erlaubt.

Was ist Google Hotel Ads und lohnt es sich für Hotels?

Google Hotel Ads ist ein Metasearch-Kanal, über den dein Hotel direkt neben OTA-Angeboten buchbar ist – ohne Provision, dafür mit Cost-per-Click oder Cost-per-Acquisition. Für Hotels mit eigener Booking Engine und Revenue-Management kann das die günstigste bezahlte Sichtbarkeit am Markt sein.

Welche OTAs passen zu welchem Hoteltyp?

Booking.com ist für die meisten Hotels Pflicht wegen der globalen Reichweite. Expedia ist besonders relevant für nordamerikanische Märkte. Airbnb lohnt sich für Boutique-Häuser mit eigenem Charakter. HRS und hotel.de sind stark bei Geschäftsreisenden und Firmenkunden.
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