Das Wichtigste in Kürze

Trip.com Group verknüpft Reisen stärker mit Kultur, Events und Live-Momenten. Edison Chen sagt im Interview mit Skift, dass sich Nachfrage heute oft an einem Konzert, einem Grand Prix oder einer Fashion Week entzündet.

Spannend ist vor allem der Ansatz dahinter: Trip.com will nicht nur Buchungen abwickeln, sondern Reiselust in konkrete Angebote übersetzen. Das ist kein weicher Marketing-Satz, sondern ein harter Vertriebshebel.


Was Edison Chen eigentlich meint

Edison Chen ist Vice President bei Trip.com Group und verantwortet Destination Marketing, strategische Allianzen, Branding und Sustainability. Im Gespräch mit Skift beschreibt er eine klare Verschiebung: weg von statischen Buchungen, hin zu Reisen, die an einem konkreten Anlass hängen.

Sein Punkt ist einfach. Wenn ein Event stark genug ist, zieht es nicht nur Besucher an. Es zieht auch Flug, Hotel, Transfer und Zusatzumsatz nach sich. Genau dort setzt Trip.com an.

Die Zahlen aus dem Interview

63 % der Nutzer bei Trip.com orientieren laut Chen eine Reise an einem Event. Bei der Milan Fashion Week nennt er einen 611 %igen Anstieg der Buchungen nach Mailand. Für Hongkong spricht er bei BLACKPINK und SEVENTEEN von über 300.000 Nutzern pro Sekunde auf der Plattform.

Warum Events gerade so stark ziehen

Chen nennt das eine Form von Inspiration-led commerce. Erst kommt der Auslöser, dann die Buchung. Nicht andersherum. Das passt zu einer Branche, in der Reiseentscheidungen oft aus dem Feed kommen, nicht aus dem Reisebüro.

Der Mechanismus ist bekannt, aber die Ausführung macht den Unterschied: Trip.com verknüpft laut Chen Premium-Events mit Hospitality und Transport. Genannt werden Live Nation Entertainment und Anschutz Entertainment Group als Partner für genau solche Pakete.

  • Konzerttickets werden zum Reiseanlass.
  • Sportevents füllen Hotels auch unter der Woche.
  • Festivals verlängern Aufenthalte und erhöhen den Warenkorb.

Skillvenirs statt Mitbringsel

Chen nennt auch einen neuen Begriff: Skillvenirs. Gemeint sind nicht Souvenirs im klassischen Sinn, sondern Fähigkeiten, die Reisende mitnehmen. Ein Teezeremonie-Kurs in Kyoto. Ein Kochkurs in Apulien. Nicht nur schauen, sondern etwas lernen.

Das ist klug, weil es Reiseprodukte schwerer austauschbar macht. Ein T-Shirt vergisst du. Eine Technik nicht.

Das ist die eigentliche Verschiebung: Reiseanbieter müssen nicht mehr nur Ziele verkaufen, sondern Gründe, überhaupt loszufahren.

Was das für Hoteliers und Destinationen bedeutet

Wer in der Hotellerie oder bei Destination-Teams arbeitet, sollte diesen Ansatz ernst nehmen. Ein Hotel verkauft bei einem Event nicht nur Zimmer. Es verkauft Lage, Timing und Reibungslosigkeit. Das gilt besonders rund um Messen, Konzerte, Sportgroßereignisse und Modewochen.

Für den Betrieb heißt das konkret:

  • Kontingente enger an Eventkalender koppeln.
  • Pakete mit Transfer, Early Check-in oder Late Check-out bauen.
  • Lokale Partner einbinden, die das Event ergänzen.
  • Content auf Social-Plattformen früher ausspielen.

Trip.com sagt laut Chen selbst, dass die Plattform Nutzer schon in der Inspirationsphase abholt — etwa über TikTok oder YouTube. Das macht Sinn. Wer dort nicht sichtbar ist, taucht später im Buchungsprozess oft nicht mehr auf.

KI hilft, aber ersetzt den Menschen nicht

Auch bei KI bleibt Chen pragmatisch. Er spricht über agentification, also den Einsatz von KI-Agenten, die Reisende bei der Planung und Auswahl unterstützen. Gleichzeitig hält Trip.com an 24/7-Human-Support in mehreren Sprachen fest. Das ist kein Entweder-oder.

Der Punkt ist nachvollziehbar: KI kann sortieren, empfehlen und vorbereiten. Bei Umbuchungen, Problemen oder Sonderfällen braucht es aber weiter echte Menschen. Gerade im internationalen Reiseverkehr ist das kein Nice-to-have, sondern Pflicht.

Darum ist Trip.coms Ansatz relevant

Kernidee
Reise entsteht aus Kultur, Event und Interesse
Hebel
Pakete aus Ticket, Hotel und Transport
Technik
KI plus menschlicher Support
Chance
Mehr Zusatzumsatz pro Buchung

Was du daraus mitnehmen kannst

Die klare Lehre: Nähe ist nicht nur geografisch gemeint. Nähe heißt hier Nähe zum Auslöser. Wer ein Hotel, eine Destination oder ein Freizeitprodukt vermarktet, sollte sich fragen: Welches Ereignis bringt den Menschen wirklich in Bewegung?

Die Antwort kann ein Konzert sein, ein Sportevent, ein Festival oder ein Kurs vor Ort. Wer solche Momente früh erkennt und sauber bündelt, verkauft nicht nur Übernachtungen. Er verkauft einen Grund zu reisen.

Und genau da wird es spannend.

HÄUFIGE FRAGEN

Worum geht es in Edson Chens Ansatz bei Trip.com?

Chen will Reisen stärker an konkreten Auslösern wie Events, Kultur und Community ausrichten. Trip.com verkauft damit nicht nur Buchungen, sondern Anlässe zu reisen.

Was sind Skillvenirs?

Chen benutzt den Begriff für Mitbringsel in Form von Können statt Gegenständen. Gemeint sind zum Beispiel ein Teezeremonie-Kurs in Kyoto oder ein Kochkurs in Apulien.

Welche Zahlen nennt Chen im Interview?

Er nennt unter anderem 63 % eventgetriebene Reisen, einen 611 %igen Buchungsanstieg für Mailand zur Fashion Week und mehr als 300.000 Nutzer pro Sekunde bei K-Pop-Tickets in Hongkong.

Was bedeutet das für Hotels?

Hotels sollten stärker mit Eventkalendern arbeiten und Pakete rund um Tickets, Transfer und flexible Zeiten bauen. Wer Nähe zum Anlass schafft, erhöht oft den Warenkorb.

Ersetzt KI bei Trip.com den Menschen?

Nein. Chen beschreibt KI als Hilfe bei Planung und Auswahl, hält aber weiter an 24/7-Human-Support in mehreren Sprachen fest.
Was denkst du? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare — wir lesen jedes Feedback und antworten gern.
Kommentar schreiben →