Gehälter in der Hotellerie sind Tabu — und deshalb frustrierend. Wir liefern realistische DACH-Spannen aus Tarif, Stepstone und L-GAV, mit Stadt-Land-Gefälle und Kette vs. Privathotel.
Zwischen Rezeptionist in MV und GM in Zürich liegen 120.000 Euro pro Jahr. Wer verhandelt, muss wissen, wo er steht.
Basis: Tariflohn und Mindestlohn
Seit Januar 2026 liegt der Mindestlohn bei 13,90 Euro pro Stunde. Im Gastgewerbe greifen 16 regionale Tarifverträge zwischen DEHOGA und NGG; ausserhalb der Tarifbindung gilt oft nur der Mindestlohn.
Einstieg und Ausbildung
Ausbildungsvergütung: 1.080 / 1.180 / 1.380 Euro (Lehrjahr 1-3). Nach der Ausbildung startet eine Hotelfachfrau mit 2.700 bis 2.900, ein Koch mit 2.800 bis 3.100. Kette und Privathotel zahlen anfangs ähnlich.
Rezeption: Vom Agent zum Front Office Manager
Spanne Stadtrand bis Metropole: 15 bis 25 % pro Stufe. Ein FOM in München verdient 5.200, in Sachsen-Anhalt 3.900 — gleiche Verantwortung.
Küche: Der steilste Gehaltsbogen
Nirgends klafft die Spanne so weit wie hier. Commis: 2.400 Euro. Küchenchef mit Stern im 5*-Haus: 9.000 plus. Mit Umsatzbeteiligung sind sechsstellige Jahresgehälter drin.
- Überstunden oft pauschal abgegolten — effektiver Stundenlohn liegt unter dem Brutto.
- Chef de Partie mit Sterne-Erfahrung: plus 20 Prozent in einem Jahr möglich.
- 13. Monatsgehalt und Trinkgeld-Pools schriftlich fixieren.
Service und F&B
Im Service wächst das Gehalt langsamer als in der Küche, dafür steigt der Bonusanteil. Chef de Rang: 2.800 bis 3.300. Restaurant Manager: 3.800 bis 4.800. F&B Manager: 4.000 bis 6.000 plus Ziele. F&B Director Kette: 6.500 bis 7.500.
Mid-Management
Die stillen Säulen der Profitabilität werden unterschätzt. Ein Revenue Manager beeinflusst den GOP direkter als jede Hostess.
- Head of Housekeeping: 3.200 bis 4.800 Euro, 5* mit 300+ Zimmern bis 5.500.
- Revenue Manager: 4.500 bis 7.000 Euro, Cluster deutlich darüber.
- Sales Manager MICE: 3.800 bis 5.500 Fix plus 10-30 % variabel.
General Manager
Die Spanne beim GM ist die grösste — abhängig von Kategorie, Zimmerzahl und Eigentümerstruktur. Ein GM im 3*-Boutique verdient 5.500 bis 7.500 Euro, im 5*-Flagship kommt er mit Bonus auf das Vier- bis Fünffache.
Ein GM-Wechsel auf Kettenebene bedeutet selten mehr Fixum, aber fast immer besseren Bonus und einen werthaltigen Signing-Bonus.
DACH-Vergleich
Schweiz: nominal 1,6 bis 1,8-fach, bei höheren Lebenshaltungskosten. Österreich: leicht unter Deutschland, dafür 13. und 14. Monatsgehalt als Regelfall.
Stadt vs. Land
- A-Städte: +15 bis 25 %, Mieten fressen viel davon auf.
- Tourismushotspots: Saisonzuschläge und Personalunterkünfte kompensieren Grundgehalt.
- Strukturschwache Regionen: Tarif pur, niedrige Lebenshaltungskosten.
Kette vs. Privathotel
Die Kette zahlt selten mehr Grundgehalt, aber strukturierter. Bonuspläne, Aktienprogramme und internationale Transfers fehlen im Privathotel meist — dafür sind Privathotels flexibler bei Urlaub und 4-Tage-Woche.
Verhandlungstipps
- Zahlen kennen: Tarif, Stepstone, Vergleichswerte.
- Paket denken: 13. Gehalt, Urlaub, Dienstwohnung, Weiterbildung.
- Boni schriftlich: KPI messbar, Auszahlungsdatum fix, Mindestgarantie.
- Wechsel nutzen: Sprünge kommen beim Wechsel — intern bleibt es unter 5 Prozent.
Fazit
Die Hotellerie ist eine Branche der Spannen. Wer seine Position kennt und Gesamtpakete statt Fixumszahlen verhandelt, kommt gut an. Und wer in der Schweiz arbeitet, schaut nicht nur aufs Brutto, sondern auf die Krankenkasse.

