Die Cornell University hat im Rahmen der Climate Week NYC 2025 einen neuen Report des Center for Hospitality Research (CHR) veröffentlicht. Kernaussage: Für Getränkeunternehmen ist Nachhaltigkeit längst kein Imagethema mehr, sondern operative Notwendigkeit. Besonders auffällig: Verpackung und Logistik verursachen in vielen Fällen mehr Treibhausgasemissionen als der eigentliche Rohstoffanbau.
Wenn die Flasche mehr kostet als der Inhalt
Wer in der Hotellerie oder Gastronomie Getränke einkauft, denkt selten zuerst an die Umweltbilanz des Kartons oder der Glasflasche. Genau da liegt das Problem. Der CHR-Report, entstanden aus einem Roundtable während der Climate Week NYC 2025, zeigt: Die größten Emissionsquellen im Getränkesektor liegen nicht auf dem Feld, sondern im Lager, auf der Straße und in der Abfüllung.
Das hat direkte Konsequenzen für Hoteliers und Restaurantbetreiber, die ihre Lieferketten nachhaltiger gestalten wollen. Wer nur auf „regionalen Anbau“ schaut, greift zu kurz.
Nachhaltigkeit als Betriebsrisiko – nicht als Marketing
Der Report beschreibt einen Paradigmenwechsel in der Branche. Unternehmen behandeln Klimakosten nicht mehr als PR-Thema, sondern als reales Betriebsrisiko – ähnlich wie Energiepreise oder Personalkosten. Extreme Wetterereignisse gefährden Erntemengen, steigende CO₂-Abgaben verteuern Transport, Regulierungen zu Einwegverpackungen erhöhen den Druck auf die gesamte Supply Chain.
Für Gastronomie und Hotellerie bedeutet das: Wer Getränkekarten aufbaut oder Lieferantenverträge abschließt, muss Nachhaltigkeitsparameter künftig genauso fest einkalkulieren wie Preis und Qualität.
- Grundlage: Roundtable-Format während der Climate Week NYC 2025 mit Branchenvertretern aus der Getränkewirtschaft
- Forschungseinrichtung: Center for Hospitality Research, Cornell University
- Kernthese: Verpackung und Transport übersteigen in vielen Segmenten die Emissionen des landwirtschaftlichen Anbaus
- Branchenperspektive: Nachhaltigkeit wird als operative Überlebensfrage bewertet, nicht als optionales ESG-Ziel
Drei Hebel, die wirklich zählen
Für Hospitality-Betriebe lassen sich aus der Grundthese des Reports drei konkrete Handlungsfelder ableiten:
Verpackung hinterfragen
Glas, Tetrapack, Dose, PET – jedes Material hat eine andere CO₂-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus. Mehrwegsysteme, auch im B2B-Bereich, gewinnen an wirtschaftlicher Attraktivität, wenn regulatorischer Druck und Rohstoffpreise weiter steigen. In Ländern mit ambitionierten Verpackungsgesetzen – darunter Deutschland mit dem Verpackungsgesetz (VerpackG) – ist das keine Zukunftsvision, sondern Gegenwart.
Transportwege optimieren
Regionale Lieferanten verkürzen nicht nur Lieferketten, sie reduzieren Emissionen direkt dort, wo sie laut Cornell am stärksten anfallen. Das betrifft besonders Wasser, Bier und Softdrinks – Produkte mit hohem Gewicht pro Liter und häufigen Lieferintervallen.
Lieferanten nach Klimakriterien auswählen
Wer im Einkauf systematisch nach CO₂-Reportings oder Umweltzertifikaten fragt, schafft Anreize entlang der gesamten Lieferkette. Erste große Hotelketten – darunter IHG und Marriott International – haben Lieferanten-Nachhaltigkeitsbewertungen bereits in ihre Procurement-Prozesse integriert.
Was das für die Praxis bedeutet
Der Cornell-Report adressiert primär die Getränkeindustrie selbst. Aber die Erkenntnisse sind für jeden relevant, der Getränke einkauft, lagert und serviert. Das Argument „Wir kaufen regional“ reicht nicht mehr, wenn das Produkt in einer energie- und materialintensiven Verpackung angeliefert wird.
- Verpackungstyp und Transportweg bei Lieferantenauswahl mitbewerten
- Mehrwegsysteme für Wasserflaschen und Softdrinks im B2B prüfen
- Lieferfrequenzen bündeln, um Transportemissionen zu senken
- CO₂-Reporting von Getränkelieferanten aktiv anfragen
- Getränkekarte auf schwer transportierbare Produkte mit langen Lieferwegen durchleuchten
Nachhaltigkeit als Kostenfaktor – und als Chance
Der Report endet nicht mit Apokalypse, sondern mit einem klaren Signal: Die Branche hat erkannt, dass Klimakosten reale Betriebskosten sind. Wer das früh in Einkauf und Konzept einbaut, spart langfristig – und hat gegenüber regulatorischen Änderungen einen Vorsprung.
Für Hoteliers und Gastronomen in Deutschland ist das besonders relevant: Die Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichterstattung steigen auch im Mittelstand. Wer jetzt Daten zu Lieferketten und Verpackungsmengen sammelt, hat morgen einen echten Vorteil.


