Europas Hotel-Baupipeline umfasst zum Abschluss von Q1 2026 insgesamt 1.731 Projekte. Die Frühplanungsphase erreicht dabei einen Rekordstand – mit einem Plus von 15 % bei den Projekten und 16 % bei den Zimmern gegenüber dem Vorjahr. Größter Einzelmarkt ist das Vereinigte Königreich mit 268 Projekten.
Die Zahlen kommen von Lodging Econometrics (LE), dem US-amerikanischen Datendienstleister für die Hotellerie, der regelmäßig den Europe Hotel Construction Pipeline Trend Report veröffentlicht. Das Bild, das der aktuelle Report für Q1 2026 zeichnet, ist eindeutig: Europas Hotelbranche baut – und plant schon heute, was in drei bis fünf Jahren eröffnet.
Frühplanung auf Rekordniveau
Der auffälligste Datenpunkt im aktuellen Report ist die Frühplanungsphase. Zum Ende von Q1 2026 stehen dort 604 Projekte mit 86.128 Zimmern – beide Werte sind Rekord. Im Jahresvergleich wuchs das Segment um 14 % bei den Projektzahlen und 16 % bei den Zimmern.
Was bedeutet das konkret? Frühplanung heißt: Grundstück gesichert oder Option gezogen, Konzept definiert, aber Baugenehmigung noch nicht erteilt. Diese Projekte sind also noch Jahre vom Check-in entfernt – sie zeigen aber, wo Investoren und Betreiber heute ihre Mittel einsetzen wollen. Ein Rekordhoch in dieser Phase ist ein Frühindikator für anhaltend hohe Eröffnungszahlen in der zweiten Hälfte der Dekade.
- Gesamtpipeline: 1.731 Projekte
- Frühplanung (Early Planning): 604 Projekte / 86.128 Zimmer — Rekordstand
- Frühplanung YoY: +15 % Projekte, +16 % Zimmer
- Im Bau: 766 Projekte / 115.227 Zimmer (Stand Q1 2025: 46 % der Gesamtpipeline)
- Renovierungen & Conversions (Q4 2025): 700 Projekte / 90.066 Zimmer
- Größter Markt: Vereinigtes Königreich — 268 Projekte
Quelle: Lodging Econometrics, Europe Hotel Construction Pipeline Trend Report, Q1 2026
UK führt, aber der Kontinent zieht nach
Das Vereinigte Königreich dominiert die europäische Pipeline mit 268 Projekten – ein Wert, der trotz Brexit-Nachwehen und strukturell höheren Baukosten robust bleibt. London bleibt der attraktivste Einzelmarkt Europas für Hotelinvestoren, ergänzt durch starke Regionalstandorte wie Manchester, Edinburgh und Birmingham.
Dahinter folgen traditionell starke Märkte wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Die Pipeline-Daten der vergangenen Quartale zeigen, dass vor allem Südeuropa – Spanien, Portugal, Italien und Griechenland – zuletzt überproportional gewachsen ist. Treiber sind Leisure-Demand, steigende ADR-Werte und internationale Kapitalzuflüsse in Ferienresorts und Stadthotels gleichzeitig.
Conversions als zweite Wachstumssäule
Neben Neubauten lohnt ein Blick auf die Umwandlungsprojekte: Zum Ende von Q4 2025 zählte LE in Europa 700 Renovierungs- und Conversion-Projekte mit insgesamt 90.066 Zimmern. Das ist kein kleiner Randbereich mehr.
Conversions – also die Überführung eines bestehenden, oft unabhängigen Hotels in ein Markenprodukt – haben in den letzten Jahren massiv an Bedeutung gewonnen. Für Franchisegeber wie Marriott, IHG oder Accor sind sie der schnellste Weg, Marktanteile zu gewinnen, ohne neue Flächen entwickeln zu müssen. Für Eigentümer rechnen sich Conversions oft besser als ein vollständiger Neubau: Bestandsimmobilie, bekannte Lage, geringere Bauzeit.
- Conversion reduziert Bauzeit gegenüber Neubau um 30–50 %
- Markenstandards erhöhen typischerweise ADR und Belegung gegenüber unabhängigen Häusern
- Franchisegeber bieten für Conversions oft attraktivere Key-Money-Konditionen
- Risiko: Bestandsgebäude erfordern genaue Due Diligence (Brandschutz, technische Infrastruktur, Denkmalschutz)
Was die Zahlen für die Branche bedeuten
Ein Rekordhoch in der Frühplanung ist zunächst eine gute Nachricht – aber nicht unkritisch zu lesen. Frühplanungsprojekte fallen häufiger aus als Projekte, die bereits in der Genehmigungsphase sind. Gestiegene Baukosten, höhere Fremdkapitalzinsen und regulatorische Unsicherheiten in einzelnen Märkten können dazu führen, dass ein Teil dieser 604 Projekte nie in die Bauphase übergeht.
Gleichzeitig spiegelt das Rekordhoch das strukturelle Vertrauen der Investoren in europäischen Hospitality-Immobilien wider. RevPAR-Wachstum in den meisten Kernmärkten, anhaltend hohe Reiseneigung und ein fragmentierter Bestand mit viel Aufwertungspotenzial machen Europa für Hotelinvestoren attraktiver denn je.
Ausblick: Was kommt nach Q1 2026?
Die Quartalsberichte von Lodging Econometrics zeigen seit 2023 einen konsistenten Aufwärtstrend in der europäischen Pipeline. Der Sprung von 1.683 Projekten (Q1 2025) auf 1.731 Projekte (Q1 2026) ist moderat, aber kontinuierlich. Entscheidend wird sein, wie viele der 604 Frühplanungsprojekte bis Ende 2026 in die Genehmigungsphase übertreten.
Für die operative Hotellerie heißt das: mehr Wettbewerb, mehr Angebot, steigende Anforderungen an Differenzierung. Wer in etablierten Märkten wie London, Paris oder Amsterdam operiert, wird ab 2027/2028 neue Konkurrenz bekommen – aus Neubauten, aber auch aus Conversions, die mit modernem Produkt und Markenbindung antreten.

