Die CSRD hat die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der EU neu geordnet — und mit dem Omnibus-Paket 2026 gleich wieder stark eingegrenzt. Für die meisten Hotels lautet die wichtigste Nachricht deshalb: Eine direkte Pflicht besteht kaum noch. Indirekt bleibt das Thema aber hochrelevant, weil Banken und große Auftraggeber Daten verlangen. Dieser Artikel klärt, ob du betroffen bist und was du konkret vorbereiten solltest. Den Gesamtüberblick liefert der Leitfaden Nachhaltigkeit in der Hotellerie.
CSRD in einem Absatz
Die Corporate Sustainability Reporting Directive verpflichtet Unternehmen, über ökologische und soziale Themen genauso strukturiert zu berichten wie über Finanzen — nach einheitlichen EU-Standards, den ESRS. Ziel ist Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen. Der Bericht ist Teil des Lageberichts und wird wie der Jahresabschluss geprüft. Das macht Nachhaltigkeit von einer freiwilligen Imagefrage zu einer prüfbaren Pflichtangabe.
Bin ich betroffen? Die Schwellenwerte nach dem Omnibus
Seit dem EU-Omnibus, in Kraft seit März 2026, gilt die direkte Pflicht erst ab über 1.000 Beschäftigten und über 450 Mio. Euro Umsatz. Die frühere Einbeziehung kapitalmarktorientierter und mittelgroßer Unternehmen ist gestrichen. In der Praxis heißt das: Einzelhotels und kleinere Gruppen fallen fast nie direkt darunter — betroffen sind allenfalls große Hotelkonzerne und Ketten.
Direkt CSRD-pflichtig ist ein Hotelunternehmen erst ab über 1.000 Mitarbeitenden und über 450 Mio. Euro Umsatz. Die nationale Umsetzung des Omnibus muss bis März 2027 erfolgen; Mitgliedstaaten können betroffene Firmen für die Geschäftsjahre 2025 und 2026 von der Pflicht ausnehmen.
Indirekt betroffen — der eigentliche Hebel
Auch ohne eigene Pflicht geraten Hotels in den Sog der Berichterstattung. Drei Wege sind typisch:
- Lieferkette. Wer an einen berichtspflichtigen Konzern liefert — etwa als Tagungshotel für ein großes Unternehmen — wird nach Energie-, Emissions- und Sozialdaten gefragt.
- Finanzierung. Banken verlangen für Kredite zunehmend ESG-Kennzahlen. Ohne Daten drohen schlechtere Konditionen — mehr dazu unter Green Finance und Förderung.
- Konzernzugehörigkeit. Gehört das Haus zu einer berichtspflichtigen Gruppe, fließen seine Daten in den Konzernbericht ein.
Was berichtet werden müsste: ESRS und doppelte Wesentlichkeit
Kern der ESRS ist die doppelte Wesentlichkeit: Ein Hotel betrachtet sowohl die Wirkung seines Betriebs auf Umwelt und Gesellschaft als auch die finanziellen Risiken durch Klima und Regulierung. Typische Datenpunkte sind Energie- und Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen nach den drei Scopes, Abfallmengen, Lieferkette sowie Personalthemen wie Arbeitsbedingungen und Weiterbildung.
So bereitest du dich vor
- Daten erfassen. Energie, Wasser, Abfall über zwölf Monate — die Basis für jede Berichterstattung und zugleich für eigene Einsparungen.
- Emissionen einordnen. Den Einstieg liefert der Artikel zum klimaneutralen Hotel mit den drei Scopes.
- Lieferkette klären. Welche großen Auftraggeber fragen Daten ab? Frühzeitig abstimmen, welche Kennzahlen erwartet werden.
- Pragmatisch bleiben. Ohne direkte Pflicht reicht oft ein freiwilliger, schlanker Nachhaltigkeitsnachweis statt eines vollen ESRS-Berichts — etwa über ein anerkanntes Siegel wie GreenSign.
Freiwillig berichten — der VSME-Standard
Für kleine und mittlere Unternehmen ohne direkte Pflicht hat die EU einen freiwilligen, deutlich schlankeren Standard entwickelt: den VSME (Voluntary Standard for SMEs). Er bündelt die wichtigsten Kennzahlen in einem überschaubaren Set und ist ideal, um Anfragen aus Lieferkette und Finanzierung zu bedienen, ohne den vollen ESRS-Apparat aufzubauen. Für die meisten Hotels ist das der realistische Einstieg: genug Struktur, um glaubwürdig zu sein, ohne unnötigen Aufwand.
Risiken & nächste Schritte
Das größte Risiko ist nicht die Strafe, sondern der verpasste Auftrag oder Kredit, weil Daten fehlen. Wer früh misst und ein passendes Siegel trägt, hat die Nachweise meist schon beisammen. Ein praktischer Startpunkt: die Hauptzähler für Strom, Wärme und Wasser monatlich erfassen und die größten Abfallquellen dokumentieren — daraus entsteht fast nebenbei die Datenbasis für jeden Bericht. Den rechtlichen Rahmen rund um Werbeaussagen klärt der Artikel zu EU-Taxonomie und Green Claims, die Siegel-Wahl der Zertifikate-Überblick.

