Der RevPAR-Index (RGI, Revenue Generation Index) vergleicht deinen eigenen RevPAR mit dem deines Comp Sets und macht die Marktposition sichtbar. Ein RGI von 100 = Marktdurchschnitt, darüber outperformst du. STR, Fairmas und andere Benchmarking-Anbieter liefern den Wert typischerweise wöchentlich — mit diesem Rechner kannst du ihn jederzeit selbst ausrechnen.
Die RGI-Formel
RGI = (eigener RevPAR ÷ Comp-Set-RevPAR) × 100. Analog gibt es den ARI (Average Rate Index) für ADR und den MPI (Market Penetration Index) für Auslastung — alle drei zusammen ergeben den vollständigen Marktvergleich.
(95 € ÷ 80 €) × 100 = RGI 118,8
Eigener RevPAR 95 €, Comp-Set-RevPAR 80 €. Du liegst 18,8 % über dem Comp Set — klare Outperformance.
Rechenbeispiele
Marktführer: Dein RevPAR 95 €, Comp-Set-RevPAR 80 € → RGI 118,8. Outperformance.
Im Markt: 80 € / 80 € → RGI 100. Marktdurchschnitt.
Nachzügler: 68 € / 80 € → RGI 85,0. 15 % unter Markt — strategisches Problem.
RGI in Excel berechnen
=(B2/B3)*100
Eigener RevPAR in B2, Comp-Set-RevPAR in B3. Für wöchentliche Auswertung über 52 Wochen: Tabelle mit STR-Exporten verknüpfen.
Wie der RGI gelesen wird
- RGI über 115: Klare Outperformance. Entweder ausgezeichnet gearbeitet oder Comp Set zu schwach gewählt.
- RGI 105–115: Solide Outperformance. Gute Marktposition.
- RGI 95–105: Im Markt. Kein Alarm, aber auch kein Wachstumssignal.
- RGI 85–95: Unterperformance. Grund prüfen: Produkt, Pricing, Vertrieb?
- RGI unter 85: Strategisches Problem. Dauerhaft killt die Profitabilität.
Das richtige Comp Set wählen
Die Qualität deines RGI hängt komplett am Comp Set. Ein falsch gewähltes Comp Set liefert irreführende Werte — egal wie sauber gerechnet wird.
- Vier bis sechs Häuser — weniger ist zu volatil, mehr verwässert.
- Vergleichbare Kategorie und Ausstattung — 4-Sterne-Stadthotel vergleicht sich nicht mit Boutique-Luxus.
- Geografische Nähe — gleicher Markt, gleiche Nachfragestruktur.
- Vergleichbare Größe — 80-Zimmer-Hotel nicht mit 350-Zimmer-Ketten.
- Realistische Konkurrenz — die Häuser, gegen die du tatsächlich im Buchungsprozess verlierst oder gewinnst.
ARI und MPI: Die ergänzenden Indizes
Der RGI zeigt den Umsatz, nicht die Mechanik dahinter. Um zu verstehen, warum du besser oder schlechter performst, brauchst du zwei weitere Indizes:
| INDEX | FORMEL | ZEIGT |
|---|---|---|
| RGI | eigener RevPAR ÷ CS-RevPAR × 100 | Umsatz-Position |
| ARI | eigener ADR ÷ CS-ADR × 100 | Preis-Position |
| MPI | eigene Auslastung ÷ CS-Auslastung × 100 | Marktanteil-Position |
Faustregel: ARI > 100 und MPI < 100 → du überhöhst Preise. ARI < 100 und MPI > 100 → du verschenkst Preis für Volumen. Beide > 100 → klarer Outperformer. Beide < 100 → Handlungsbedarf.
Häufige Fehler bei der RGI-Berechnung
- Comp Set zu klein: Unter vier Häusern wird die Wochen-Volatilität zu hoch, Einzelereignisse (Messen, Sperrzimmer) verzerren.
- Comp Set zu groß: Über acht Häuser verwässert der Vergleich, du misst den Gesamtmarkt statt deine echte Konkurrenz.
- Zeitraum-Mix: Eigener Wochenwert gegen STR-Monatsmittel — nicht vergleichbar. Gleiche Periode.
- Brutto-/Netto-Inkonsistenz: STR arbeitet netto, manche Häuser rechnen intern brutto. Einmalig harmonisieren.
RGI steigern
- Pricing-Agilität — dynamisches Pricing auf Comp-Set-Bewegungen reagieren, nicht nach Plan.
- Direct-Booking-Marge — OTA-Provisionen reduzieren hebt den nettowirksamen RevPAR.
- Produkt-Differenzierung — Signature-Angebote, die das Comp Set nicht hat, rechtfertigen höhere Preise.
- Segment-Mix — Business/Leisure/MICE ausbalancieren, um Saisonlücken zu dämpfen.
Comp-Set-Gaming: Wie Wettbewerber ihren Index manipulieren
Der RGI ist nur so aussagekräftig wie das Comp Set. In der Praxis gibt es legale, aber strategische Spielarten, den eigenen RGI künstlich zu verbessern:
- „Nach oben" shoppen: Häuser wählen absichtlich stärkere Comp-Set-Mitglieder, um relativ besser dazustehen. Der RGI sinkt, die interne Erzählung wird aber zu „Wir liegen im Markt mit den Top-Brands".
- „Nach unten" shoppen: Das Gegenteil — schwächere Nachbarn ins Comp Set packen, um einen RGI über 110 auszuweisen. Beliebt in Präsentationen an Eigentümer.
- Selektive Reporting-Kadenz: In Wochen mit guter Performance wird das Ergebnis nach oben kommuniziert, in schwachen Wochen verschwindet der Report.
- Non-Transient-Business ausklammern: Gruppen- und Vertragsraten in den eigenen RevPAR einrechnen, aber beim Comp Set nur Transient-Raten vergleichen — macht das Ergebnis optisch besser.
Saubere RGI-Arbeit heißt: Comp Set wird einmal gewählt und bleibt mindestens 12 Monate stabil. Änderungen nur bei dokumentierter Markt-Neuordnung (neues Haus öffnet, Konkurrent ändert Positionierung, eigene Strategie wird neu ausgerichtet). Alles andere ist Zahlenkosmetik.
Weiterführende Quellen
- STR Global – De-facto-Standardanbieter von Comp-Set-Daten und RGI-/ARI-/MPI-Berechnungen.
- Fairmas – Alternative Benchmark- und Forecasting-Lösung für Hotel-Performance.
- HSMA Deutschland – Standards und Fachinformationen zu Benchmarking und Revenue Management.
RevPAR-Index: Drei Nutzungs-Ebenen
Comp-Set sauber definieren
Der Comp Set entscheidet über die Aussagekraft des Index. 5–8 vergleichbare Hotels in gleicher Lage, Grösse und Segment. STR prüft die Zusammensetzung auf Plausibilität. Ein zu enger Set (nur direkte Nachbarn) verzerrt nach oben, ein zu breiter (gesamte Stadt) verwässert die Signifikanz.
Tägliche Trend-Analyse
Der monatliche Index kaschiert Micro-Trends. Tägliche STR-Daten zeigen, ob das Haus an bestimmten Wochentagen, Events oder Saisonzeiten besser oder schlechter als der Set läuft. Diese Mikro-Muster sind Hebel für gezielte Rate-Anpassungen.
MPI, ARI und RGI gemeinsam lesen
Nur RevPAR-Index zu lesen ist zu eng. MPI (Occupancy-Index) zeigt Marktanteil, ARI (Rate-Index) zeigt Preisführung, RGI (RevPAR-Index) kombiniert beide. Ein hoher RGI bei niedrigem MPI bedeutet hohe Rate bei geringerem Marktanteil — oft Luxus-Positionierung.
Weiterführende Rechner
- RevPAR-Rechner — absoluter Wert
- ADR-Rechner — Basis für ARI
- GOPPAR-Rechner — Profitabilität jenseits Index
- OTA-Provisions-Rechner
- Hotel-KPI-Hub

