Der GOPPAR (Gross Operating Profit per Available Room) ist die wichtigste Profitabilitätskennzahl in der Hotellerie. Anders als RevPAR oder TRevPAR zeigt GOPPAR nicht nur den Umsatz pro Zimmer, sondern den operativen Gewinn — also was nach Abzug aller laufenden Kosten pro verfügbarem Zimmer pro Nacht tatsächlich im Haus bleibt.
Die GOPPAR-Formel
GOPPAR = (Gesamtumsatz − operative Kosten) ÷ (verfügbare Zimmer × Tage). Operative Kosten sind alle Aufwendungen vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Miete (EBITDAR-Logik). Stromkosten, Personal, Wareneinsatz, Marketing, Verwaltung — alles rein. Nicht enthalten: Kapitaldienst, Eigentümer-Entnahmen, Abschreibungen.
(380.000 € − 270.000 €) ÷ (80 × 30) = 45,83 € GOPPAR
Midscale-Stadthotel: 380.000 € Umsatz minus 270.000 € operative Kosten, 80 Zimmer, 30 Tage.
Rechenbeispiele aus der Praxis
Midscale-Stadthotel (80 Zimmer): 380.000 € − 270.000 € = 110.000 € GOP ÷ (80 × 30) = 45,83 € GOPPAR.
Upscale-Resort (150 Zimmer): 1,2 Mio € − 720.000 € = 480.000 € GOP ÷ (150 × 30) = 106,67 € GOPPAR.
Luxury-Stadt (90 Zimmer): 1,1 Mio € − 640.000 € = 460.000 € GOP ÷ (90 × 30) = 170,37 € GOPPAR.
GOPPAR in Excel berechnen
=(B2-B3)/(B4*B5)
Mit Gesamtumsatz in B2, operativen Kosten in B3, verfügbaren Zimmern in B4, Tagen in B5. Unser Hotel-KPI-Excel-Template enthält GOPPAR bereits fertig mit allen verwandten Kennzahlen.
GOPPAR-Benchmarks DACH 2026
- Economy: 12–25 €
- Midscale: 25–55 €
- Upscale: 55–110 €
- Luxury: 110–280 €+
Healthy Range: GOP-Marge von 25–40 % am Gesamtumsatz. Unter 20 % Marge ist die Wirtschaftlichkeit schwierig, über 45 % meist nur in Luxury oder Haus mit überdurchschnittlichem Non-Room-Revenue.
Abgrenzung zu RevPAR, TRevPAR und NRevPAR
Vier Kennzahlen, vier Perspektiven. Die Tabelle zeigt, wann welche relevant ist:
| KENNZAHL | ZEIGT | GENUTZT FÜR |
|---|---|---|
| RevPAR | Logis-Umsatz pro Zimmer | Revenue Management, Pricing |
| TRevPAR | Gesamtumsatz pro Zimmer | Umsatzkraft des Hauses |
| GOPPAR | Operativer Gewinn pro Zimmer | Profitabilität, Benchmarks |
| NRevPAR | RevPAR nach Vertriebskosten | Vertriebs-Effizienz (OTA-Last) |
Häufige Fehler bei der GOPPAR-Berechnung
- Abschreibungen einrechnen: GOPPAR ist pre-AfA. Gebäude-/Inventar-Abschreibungen gehören erst in EBITDA bzw. Nettogewinn, nicht in GOP.
- Miete / Pacht einrechnen: GOPPAR nutzt die EBITDAR-Logik — Miete bleibt draußen. Bei Häusern im Eigentum lohnt sich ein Vergleich mit und ohne kalkulatorischer Miete.
- Personalkosten nur teilweise: Arbeitgeber-Sozialabgaben, Urlaubs-Rückstellungen, Leiharbeit — alles gehört zu den operativen Kosten.
- F&B-Wareneinsatz vergessen: Bei Vollservice-Häusern ein großer Posten, der oft unterschätzt wird.
GOPPAR steigern: fünf Hebel
- Direktbuchungsanteil erhöhen — spart OTA-Provision, hebt GOPPAR direkt.
- Energiekosten senken — LED, intelligente HLK-Steuerung, Solarthermie.
- Personalkostenquote steuern — flexible Schichten, Self-Check-in, Cross-Training.
- Food-Cost-Quote optimieren — Menu Engineering, Wareneinsatz kontrollieren.
- Upselling — Zimmerkategorien, Spa-Pakete, check-out" class="glossary-link" title="Late Check-out – Glossar">Late Check-out gegen Aufpreis.
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GOPPAR nach Betriebsmodell
Der GOPPAR unterscheidet sich strukturell zwischen Betriebsmodellen. Wer Benchmarks vergleicht, sollte das Modell mit berücksichtigen:
- Eigentümer-Operator (Owner-Operated): höchster GOPPAR, weil keine Franchise-Gebühr und keine Management-Fee abfließt. Typisch 8–15 % über Vergleichshäusern.
- Franchise mit eigener Betreibergesellschaft: Franchise-Fee (typisch 4–6 % vom Zimmerumsatz) und Marketing-Fee (1–3 %) drücken GOPPAR gegenüber Independent.
- Management-Vertrag (HMA): Management-Fee (typisch 3 % Base + 6–10 % GOP-Incentive) fließt an den Betreiber. GOPPAR wird vor Fee ausgewiesen, der Eigentümer sieht einen niedrigeren Wert.
- Festpacht-Modell: Der Betreiber zahlt fixe Pacht, GOPPAR vor Pacht ist hoch, nach Pacht oft knapp. Standard in Deutschland bei Ketten-Midscale.
- Umsatzpacht: Pacht skaliert mit Umsatz, GOPPAR nach Pacht wird systemisch gedämpft.
Für den Benchmark-Vergleich ist entscheidend, auf welcher Ebene der GOPPAR ausgewiesen wird: vor Franchise-/Management-Fee, vor Pacht, oder nach allen genannten Positionen. STR und HVS unterscheiden das in Reports explizit.
Weiterführende Quellen
- STR Global – Branchenbenchmark für GOPPAR-Werte im DACH-Raum.
- HVS Hotel Valuation Services – jährliche Hotel-Profitabilitäts-Studien mit GOPPAR-Analysen.
- HSMA Deutschland – Hospitality Sales & Marketing Association.
GOPPAR-Verbesserung: Drei Kosten-Hebel
Personalkosten-Optimierung
Personalkosten sind der grösste kontrollierbare Block (typisch 28–35 % vom Umsatz). Steuerung über Minuten-pro-Zimmer im Housekeeping, Cover-pro-FTE im F&B und Cross-Utilisation zwischen Abteilungen. Ziel: Produktivitätssteigerung 3–5 % pro Jahr bei gleicher Service-Qualität.
Energie- und Wartungskosten
Energie ist nach Personal der zweitgrösste Kostenblock, oft 4–7 % vom Umsatz. LED-Umstellung, Building-Management-Systeme und Heat-Recovery im F&B-Bereich reduzieren laufend 10–20 % ohne Qualitätsverlust. ROI meist unter 3 Jahren.
Non-Rooms-Revenue heben
GOPPAR profitiert überproportional von Ancillary-Revenue, weil die variable Kostenquote dort niedriger ist. Spa-Umsatz, Parking, Late-Check-out, F&B-Upselling — jeder zusätzliche Euro Non-Rooms-Umsatz trägt 35–55 Cent zum GOP bei, deutlich mehr als bei Rooms-Rate-Erhöhungen.
Weiterführende Rechner
- RevPAR-Rechner — Umsatz pro verfügbarem Zimmer
- ADR-Rechner — durchschnittlicher Zimmerpreis
- TRevPAR-Rechner — Gesamtumsatz inkl. F&B
- Break-Even-Auslastung — ab wann schwarze Zahlen
- Personalkostenquote — Hebel für GOPPAR
- Hotel-KPI-Hub — alle Kennzahlen
