Der RevPAR (Revenue per Available Room) ist die zentrale Performance-Kennzahl in der Hotellerie. Er zeigt, wie viel Umsatz jedes verfügbare Zimmer im Schnitt pro Nacht einspielt — unabhängig davon, ob es belegt war. Der Rechner oben liefert den Wert in Sekunden. Die folgenden Abschnitte bauen darauf auf: Formel, Rechenbeispiele, DACH-Benchmarks, Abgrenzung zu ADR/TRevPAR/GOPPAR, RevPAR-Index, Varianten (NRevPAR, AdjRevPAR, Jahres-RevPAR), Excel-Formel und häufige Fehler.
Die RevPAR-Formel
Es gibt zwei gleichwertige Wege:
- Direkt: RevPAR = Zimmerumsatz ÷ (verfügbare Zimmer × Nächte)
- Über ADR: RevPAR = Average Daily Rate × Auslastung
Der Rechner oben geht den direkten Weg über absolute Zahlen. Das ist robuster, weil du keine Zwischengrößen brauchst. Wichtig: Nur Logis-Umsatz einrechnen — F&B, Spa und Nebenerlöse gehören in andere KPIs (siehe Abgrenzung unten).
150.000 € ÷ (80 × 30) = 62,50 € RevPAR
Midscale-Stadthotel mit 80 Zimmern, 150.000 € Logis-Umsatz im Monat.
Rechenbeispiele aus der Praxis
Beispiel 1 — Stadthotel Midscale (80 Zimmer): 150.000 € Zimmerumsatz im Monat ÷ (80 × 30) = 62,50 € RevPAR. Typisch für ein Drei-Sterne-Haus in einer deutschen Großstadt.
Beispiel 2 — Resort Upscale (150 Zimmer): 720.000 € ÷ (150 × 30) = 160,00 € RevPAR. Höherer Zimmerpreis, solide Auslastung — klassisches Vier-Sterne-Resort in Hochsaison.
Beispiel 3 — Economy-Kette (120 Zimmer): 126.000 € ÷ (120 × 30) = 35,00 € RevPAR. Niedrige ADR, hohe Auslastung sichert die Wirtschaftlichkeit.
RevPAR in Excel berechnen
In Excel oder Google Sheets sieht die Formel so aus:
=B2/(C2*D2)
Mit Zimmerumsatz in B2, verfügbaren Zimmern in C2 und Nächten in D2. Für Kettenhäuser mit mehreren Properties nutze SUMMENPRODUKT, um gewichtete Durchschnitte zu berechnen. Wichtig: Brutto- vs. Nettoumsatz konsistent halten.
RevPAR-Benchmarks nach Segment (DACH 2026)
Richtwerte für den DACH-Raum. Die exakten Werte schwanken stark mit Standort, Saison und Marktsegment. STR-Berichte und der HSMA-Branchenmonitor liefern aktuelle, regionale Zahlen.
Wer seinen eigenen RevPAR bewerten will, vergleicht sich mit dem Comp Set (competitive set) — vier bis sechs vergleichbare Häuser im Umfeld. Der Abgleich ist aussagekräftiger als jeder Gesamtmarkt-Durchschnitt. Für die Comp-Set-Analyse siehe den Abschnitt zum RevPAR-Index weiter unten.
RevPAR vs. ADR: Warum Auslastung allein nicht reicht
Die Average Daily Rate (ADR) ist der durchschnittliche Zimmerpreis pro verkauftem Zimmer. Der RevPAR setzt diesen Preis ins Verhältnis zur Auslastung und ist damit die integrierende Kennzahl. Details zum ADR und einen eigenen Rechner findest du in unserem ADR-Rechner.
Ein Beispiel: Haus A erreicht 90 % Auslastung bei 80 € ADR → RevPAR 72 €. Haus B fährt 60 % Auslastung bei 140 € ADR → RevPAR 84 €. Trotz halb leerer Zimmer liefert Haus B den besseren Performance-Wert. Wer ausschließlich auf Auslastung optimiert, verschenkt Yield.
Beispiel visuell: Haus A vs. Haus B
Das oben beschriebene Paradox — Haus A mit höherer Auslastung, Haus B mit besserem RevPAR — als Vergleichsgrafik:
Haus B liefert trotz halb leerer Zimmer 12 € mehr RevPAR pro verfügbarem Zimmer — das zahlt sich über den Monat zu mehreren zehntausend Euro Mehrumsatz aus.
RevPAR vs. TRevPAR vs. GOPPAR vs. NRevPAR — die Übersicht
Vier verwandte Kennzahlen, die oft verwechselt werden. Die Tabelle macht die Unterschiede klar:
| KENNZAHL | FORMEL | ENTHÄLT | FOKUS |
|---|---|---|---|
| RevPAR | Zimmerumsatz ÷ (Zimmer × Tage) | Nur Logis | Preis × Auslastung |
| TRevPAR | Gesamtumsatz ÷ (Zimmer × Tage) | Logis + F&B + Spa + MICE | Komplette Umsatzkraft |
| GOPPAR | (Umsatz − operative Kosten) ÷ (Zimmer × Tage) | Gewinn pro Zimmer | Profitabilität |
| NRevPAR | (Zimmerumsatz − Vertriebskosten) ÷ (Zimmer × Tage) | Logis netto nach OTA-Provision | Vertriebs-Effizienz |
| AdjRevPAR | (Zimmerumsatz − variable Kosten) ÷ (Zimmer × Tage) | Logis nach variablen Kosten | Deckungsbeitrag pro Zimmer |
RevPAR-Index: Wie du dich gegen dein Comp Set misst
Der RevPAR-Index (RGI, Revenue Generation Index) vergleicht deinen eigenen RevPAR mit dem des Comp Sets. Formel: RGI = (eigener RevPAR ÷ Comp-Set-RevPAR) × 100. Ein RGI von 100 bedeutet Marktdurchschnitt, 110 = 10 % über dem Comp Set, 85 = 15 % darunter. STR und andere Benchmarking-Anbieter liefern den Wert wöchentlich.
Faustregel: Dauerhaft unter 95 → strategisches Problem (Pricing, Produkt, Vertrieb). Dauerhaft über 110 → entweder ausgezeichnet gearbeitet oder Comp Set ist falsch gewählt. Der Index gibt dir die Marktposition, der absolute RevPAR die Umsatzrichtung — beide zusammen ergeben den vollständigen Blick.
NRevPAR und AdjRevPAR: RevPAR nach Abzug echter Kosten
Der klassische RevPAR ist ein Brutto-Wert. Zwei Varianten zeigen, was nach Kosten tatsächlich übrigbleibt:
- NRevPAR (Net RevPAR): Zimmerumsatz nach Abzug aller Vertriebskosten (OTA-Provisionen, GDS-Gebühren, Metasearch-CPC). Zeigt, wie viel pro verfügbarem Zimmer netto ins Haus fließt — entscheidend bei hohem OTA-Anteil.
- AdjRevPAR (Adjusted RevPAR): Zimmerumsatz nach Abzug aller variablen Kosten (Reinigung, Wäsche, Amenities, variable Energieanteile, Frühstück). Zeigt den reinen Deckungsbeitrag pro Zimmer und ist die Brücke zur Break-Even-Berechnung.
Jahres-RevPAR: 365-Tage-Perspektive
Für die Jahresplanung rechnet man RevPAR über 365 Tage: Jahresumsatz ÷ (verfügbare Zimmer × 365). Das glättet saisonale Ausreißer und macht das Haus mit anderen über den ganzen Jahreszyklus vergleichbar. In der Stadthotellerie ist der Jahres-RevPAR meist näher am Monatsschnitt, in der Ferienhotellerie dagegen stark geprägt von der Hauptsaison (30–50 % des Jahres-RevPAR wird oft in drei Monaten erwirtschaftet).
Ferien- vs. Stadthotellerie: Saisonalität & RevPAR-Lesart
Die Saisonalität ist in den zwei Betriebsformen fundamental unterschiedlich. Der jährliche RevPAR ist bei Ferienhäusern stärker von der Preisdurchsetzung in 2–4 Monaten getrieben, bei Stadthotels dagegen von konstanter Auslastung durch Business-Reisende und MICE.
Stadthotellerie: relativ stabile Auslastung (Business + Leisure + MICE), hoher Wochen-ADR an Arbeitstagen, Wochenend-Schwäche. RevPAR-Spitzen gehen hier meist über die ADR. Jahresschwankung typischerweise 25–40 % zwischen Tief- und Hochpunkt.
Ferienhotellerie: extreme Saisonalität, hohe ADR in Hochsaison, Auslastung unter 30 % in Nebensaison möglich. Der RevPAR-Jahreswert ist stärker von der Preisdurchsetzung in 2–4 Monaten getrieben als von Gesamtauslastung. Jahresschwankung bis 150 %, mit Frühjahr und Herbst als Shoulder-Phasen, in denen Revenue-Management-Fehlentscheidungen besonders schmerzen. Hinzu kommt der höhere MICE-Anteil und die Bedeutung von Non-Room-Revenue (siehe TRevPAR).
Häufige Fehler bei der RevPAR-Berechnung
- Brutto-/Netto-Mix: Mal mit MwSt., mal ohne — besonders bei DACH-Vergleichen mit unterschiedlichen Steuersätzen. Immer konsistent halten, in der Regel netto.
- Ausgebuchte Zimmer zählen statt verfügbare: Zimmer in Renovierung, Sperrzimmer und OOO-Zimmer müssen aus dem Nenner raus. Sonst wird der RevPAR künstlich gedrückt.
- Suiten gleichgewichtet: Eine Suite mit 400 € Preis verzerrt den Schnitt. In Häusern mit sehr unterschiedlichen Kategorien empfiehlt sich RevPAR nach Kategorie zu splitten.
- No-Shows und Storni: No-Show-Gebühren gehören klar zum Logis-Umsatz. Storno-Gebühren dagegen sind strittig — harmonisiere deine Definition mit deinem Controlling.
- Packages nicht gesplittet: Bei Halbpension- oder Wellness-Paketen muss der Logis-Anteil sauber ausgewiesen werden, sonst wandert F&B-Umsatz in den RevPAR.
RevPAR steigern: fünf wirksame Hebel
- Direktbuchungsanteil erhöhen — jede Direktbuchung spart 15–25 % OTA-Provision und steigert den nettowirksamen RevPAR.
- Dynamisches Pricing — Preise an Nachfrage, Saison und Comp Set koppeln statt statische Listen zu fahren.
- Length-of-Stay-Steuerung — Mindestaufenthalte in Hochphasen, gezielte Zuschläge für kurze Buchungen.
- Upselling am Check-in — Zimmerkategorie-Upgrades gegen Aufpreis anbieten, lift die ADR ohne Auslastungsverlust.
- Segment-Mix optimieren — Gruppe, Corporate, Leisure, OTA ausbalancieren.
Kostenloses Excel-Template: Hotel-KPIs
Fertige Tabelle mit allen Formeln — RevPAR, ADR, Auslastung, GOPPAR, TRevPAR und NRevPAR. Trage deine Zahlen ein, die Ergebnisse rechnen sich live in Excel, LibreOffice oder Google Sheets.
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RevPAR-Optimierung: Drei strategische Ansätze
Balance zwischen ADR und Occupancy
Ein RevPAR-Wachstum durch reine Auslastungssteigerung ist oft Pyrrhus-Sieg — variable Kosten und Servicequalität leiden. Zielkorridor: ADR-Wachstum 60 %, Occupancy-Wachstum 40 %. Revenue-Manager steuern über BAR-Staffelung und Längenbeschränkungen diese Verteilung.
Restriktionen als Ertragshebel
Minimum-Length-of-Stay (MLOS) und Closed-to-Arrival (CTA) filtern kurze unrentable Buchungen aus, ohne den ADR zu drücken. An Spitzen-Wochenenden Einsatz von MLOS 2 oder 3 bei gleichzeitiger BAR-Erhöhung — liefert 5–9 % RevPAR-Lift an Peak-Days.
Comp-Set-orientierte Preisführung
Der RevPAR-Index gegen den Comp Set ist der präzisere KPI als der absolute RevPAR. STR Global liefert tägliche Comp-Set-Reports; die eigene Rate folgt der Bewegung des Sets mit +5 % Aufschlag als Qualitätsprämie.
Weiterführende Rechner
RevPAR ist der Einstieg — für das komplette Kennzahlen-Bild braucht es weitere Rechner:
- ADR-Rechner — durchschnittlicher Zimmerpreis, ohne Auslastungseffekt
- TRevPAR-Rechner — Gesamtumsatz inkl. F&B und Spa
- GOPPAR-Rechner — operative Profitabilität pro Zimmer
- Break-Even-Auslastung — ab welcher Belegung schwarze Zahlen
- OTA-Provision — was Booking/Expedia wirklich kosten
- Hotel-KPI-Hub — Übersicht aller Kennzahlen
